Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt

Offenbach am Main

2001 - 2006

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Drucksachen-Abteilung I (A)                                                Ausgegeben am 16.03.2005

                                                                                                Eing. Dat. 09.03.2005

 

Nr. 642/122

 

Dez.: II

 

 

Verkehrsführung Bismarckstraße
hier: Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 23.03.04, DS l (A) 642/1
dazu: Magistratsvorlage Nr. 056/05 vom 09.03.2005


Die Stadtverordnetenversammlung hat am 23.03.04 folgenden Beschluss gefasst:

Der Magistrat wird beauftragt zu prüfen und zu berichten, ob die Bismarckstraße zwischen Kaiserstraße und Waldstraße wieder in beide Richtungen geöffnet werden kann. Dabei sind insbesondere folgende Aspekte zu berücksichtigen:

1.             Wie stark wird der Busbahnhof am Hauptbahnhof zur Zeit frequentiert, d.h. welche Buslinien fahren den Busbahnhof an und in welchem Takt?

 

2.             Welche Kosten würden durch die Beseitigung der baulichen Trennung zwischen den Fahrspuren entstehen?

 

3.             Wie könnte nach der Öffnung der Bismarckstraße die Anbindung des Busbahnhofes aus beiden Richtungen gewährleistet werden?

 

4.             Welche Auswirkungen hätte eine Öffnung der Bismarckstraße auf die Kreuzungssituation an der Waldstraße?

 

5.             Welche Auswirkungen hätte eine Öffnung der Bismarckstraße auf die Verkehrssituation in der Innenstadt, insbesondere in den anderen Einbahnstraßen?

 

6.             Wie könnte eine Öffnung der Straße in Zusammenhang mit der wünschenswerten Aufwertung und Belebung des Gebietes um den Hauptbahnhof gebracht werden?

 

 

Hierzu wird wie folgt berichtet:

Frage 1:

Wie stark wird der Busbahnhof am Hauptbahnhof zur Zeit frequentiert, d.h. welche Buslinien fahren den Busbahnhof an und in welchem Takt?

 

Antwort:

Mit der Inbetriebnahme der S-Bahn in den Rodgau hat der Busbahnhof an Bedeutung als Umsteigepunkt in den Landkreis verloren. Damit verbunden ist die Einstellung von Buslinien mit der Folge, dass sich einerseits die Busfrequenzen in der Bismarckstraße reduziert haben und andererseits Flächen auf dem Areal des Busbahnhofs nicht mehr benötigt werden. Die Regionallinie 975, die den Hauptbahnhof mit dem Frankfurter Flughafen verband wurde schon mit dem RMV Start eingestellt, mit der Inbetriebnahme der Rodgau-S-Bahn sind weiterhin die Linien 950 nach Rödermark, 953 nach Dietzenbach, 955 nach Mainhausen und 956 nach Zellhausen aus dem Offenbacher Busliniennetz herausgenommen worden, da die S-Bahn die Verbindung in den Kreis herstellt. Für diese Buslinien war der Busbahnhof gleichzeitig Endhaltestelle, so dass mit der Einstellung der Linien entsprechende Warteflächen frei geworden sind.

 

Derzeit wird der Busbahnhof noch von den OVB Linien 101/101N (Rumpenheim - Bieber-Waldhof), 102/102N (Bieber-Waldhof- Kaiserlei), 106/106 N (Buchrainweiher- Buchhügel) und der Linie 105/105N (August-Bebel-Ring - Rosenhöhe) mit jeweils 4 Fahrten in der Hauptverkehrszeit angefahren. Diese Linien sind Durchmesserlinien und benötigen keine Wartepositionen im Bereich des Busbahnhofs.

 

Die Regionalbuslinien 970 (Langen - Offenbach Hbf), 939 und 940 (Bad Vilbel bzw. Mainkur - Offenbach Hbf) bedienen den Busbahnhof mit zwei Fahrten in der Hauptverkehrszeit. Diese Linien haben weiterhin Ihre Endstelle im Busbahnhof.

 

Frage 2:

Welche Kosten würden durch die Beseitigung der baulichen Trennung zwischen den Fahr­spuren entstehen?

 

Antwort:

Die Beseitigung der baulichen Trennung zwischen den Fahrspuren würde ca. 20.000,00 € kosten. Laut Kostenschätzung des Straßenverkehrsamtes würden aber für den notwendi­gen Neu- und Umbau der Lichtsignalanlagen weitere Kosten von ca. 286.000,00 € entste­hen, so dass das Gesamtvorhaben ein Volumen von ca. 306.000,00 € umfasst.

 

Frage 3:

Wie könnte nach der Öffnung der Bismarckstraße die Anbindung des Busbahnhofes aus beiden Richtungen gewährleistet werden?

 

Antwort:

Die Anbindung des Busverkehrs an den Busbahnhof ist im Prinzip uneingeschränkt möglich. Im Bereich des Busbahnhofes kann die Fahrbahn nördlich des bestehenden Grünstreifens im Zweirichtungsverkehr genutzt werden. Allerdings besteht im Abschnitt zwischen Kaiserstraße und Groß-Hasenbach-Straße dann keine Möglichkeit mehr, auf der Nordseite straßenseitige Parkplätze einzurichten. Die Halteinsel des Busbahnhofes südlich des Mittelstreifens bleibt von beiden Seiten anfahrbar. Die Busse aus Richtung Westen müssen den Gegenverkehr bei der Zufahrt und bei der Abfahrt gesichert queren können, so dass an beiden Seiten des Busbahnhofes eine Lichtsignalanlage mit Busbevorrechtigung erforderlich wird.

 

Frage 4:

Welche Auswirkungen hätte eine Öffnung der Bismarckstraße auf die Kreuzungssituation an der Waldstraße?

 

Antwort:

Eine Öffnung der Bismarckstraße hat erhebliche Auswirkungen auf den Knotenpunkt Waldstraße, da in dem heute bereits stark belasteten Knoten eine zusätzliche Verkehrsbeziehung hinzu kommt. Eine überschlägliche Berechnung des Straßenverkehrsamtes hat ergeben, dass, sofern keine weiteren Veränderungen im Straßennetz oder an der Ver­kehrsführung im Knoten vorgenommen werden, zu erwarten ist, dass der Verkehr am Kno­ten Waldstraße zu den Hauptverkehrszeiten nicht mehr staufrei abgewickelt werden kann. Eine grundsätzlich andere Spuraufteilung im Knotenpunktsbereich würde in erster Linie zu Lasten der Busbeschleunigung gehen.

 

Frage 5:

Welche Auswirkungen hätte eine Öffnung der Bismarckstraße auf die Verkehrssituation in der Innenstadt, insbesondere in den anderen Einbahnstraßen?

 

Antwort:

Für die durch die Öffnung veränderte Verkehrssituation in der Innenstadt lassen sich folgende Tendenzen erkennen:

 

Die Öffnung der Bismarckstraße in Richtung Osten eröffnet eine neue attraktive West-Ost-Verbindung in der Innenstadt, die signifikante Verlagerungen der Verkehrsströme zur Folge hat. Einerseits nimmt die Bismarckstraße in einer Sammelfunktion Verkehre aus den an­grenzenden Wohngebieten auf, andererseits sind auch Verlagerungen von anderen Hauptverkehrsachsen zu erwarten.

 

  • Eine deutliche Verkehrsabnahme zeichnet sich für die Marienstraße zwischen
    Schäferstraße und Waldstraße ab.
  • Eine Entlastungswirkung ergibt sich ferner für das Innenstadtquartier zwischen Bismarckstraße und Berliner Straße (Hospitalstraße, Bleichstraße).
  • Durchgangsverkehre aus Richtung Westen (Kaiserlei/westliche Berliner Straße) in Richtung südliche Waldstraße werden sich von der Berliner Straße über den Dreieichring in die Bismarckstraße verlagern.
  • Ferner werden sich Autofahrer aus Richtung Südwesten (Sprendlinger Landstraße) mit dem Ziel Östliche Innenstadt vom Straßenzug Rathenaustraße-Kaiserstraße weg und zur Waldstraße-Bieberer Straße hin orientieren.
  • Abhängig von der Gesamtbelastung des Netzes können auch West-Ost-Verkehre vom mittleren Ring auf die Bismarckstraße verlagert werden.

 

Frage 6:

Wie könnte eine Öffnung der Straße in Zusammenhang mit der wünschenswerten Aufwertung und Belebung des Gebietes um den Hauptbahnhof gebracht werden?

 

Antwort:

Eine Aufwertung des Gebietes rund um den Hauptbahnhof ergibt sich allein durch die Öffnung der Bismarckstraße im Zweirichtungsverkehr nicht. Im Verkehrskonzept Innenstadt soll daher untersucht werden, wie die Öffnung der Bismarckstraße im Zusammenhang mit realisierten und geplanten Baumaßnahmen der Innenstadt - Justizzentrum, mögliche Bebauung Offenbach-Post, Erweiterung der Fußgängerzone, Umbau der Großen Marktstraße, Neubau der Kaiserstraße, Umbau der Bieberer Straße - und im Zusammenhang mit weiteren Varianten der Einbahnstraßenführung im Innenstadtquartier bewertet werden kann. Unter dieser Voraussetzung muss auch die mögliche Verkehrsabwicklung am Knotenpunkt Bismarckstraße/Waldstraße vertieft untersucht werden.