Quelle: pio.offenbach.de
Abgerufen am 23.10.2019



            Anlage 04: Einzeldokument zu Nr. 55 Airport-City

 

Airport-City / Business-City, Flughafenstadt Fraport AG, Oberzentrum Flughafen

 

Durch seine zentrale Lage, seiner  europäischen, nationalen und regionalen Standort-gunst als Drehkreuz im Verkehrsnetz, den dazugehörenden Eigenschaften (Elementen wie: Terminals, Büros, Geschäften, Konferenzzentren, Hotels, Freizeit-einrichtungen etc.) hat der Flughafen Frankfurt Rhein/Main sich über seine eigentliche Funktion, dem Kerngeschäft Luftverkehr, hinaus zu einer Airport-City entwickelt und soll sich durch weiteren Ausbau zu einer Business-City, letztendlich zu  einer neuen Flughafenstadt[1] entwickeln.

Die Beurteilung und  Einteilung der Flughäfen erfolgt nach der unten genannten Studie weltweit in vier Kategorien,[2] wobei Frankfurt  in die dritte Kategorie, der Business City gehören soll, das heißt, für den hiesigen europäischen Raum

die höchste Kategorie anstrebt. So sind Aussagen von Fraport-Chef W. Bender entsprechend einzuordnen: „Wir machen uns auf den Weg. Flughafen-Städte sind die wirtschaftlichen Leuchttürme (…), interkulturelle Drehscheiben und positiver Imageträger für Städte und Regionen.“[3]

 

Die wesentlichen Ausbauvorhaben zur Flughafenstadt mit typischerweise städtischen Funktionen (besonders die des Einzelhandels als oberzentrale Funktion) am und rund um die Landebahnen und dem gesamten Flughafenequipment des Flughafens Frankfurt sind:

 

Terminal T1  (Handel, Einzelhandel, Gastronomie),

Terminal T2  (Handel, Einzelhandel, Gastronomie),

Terminal T3  16 ca. ha geplant (Handel, Dienstleistung, Kommunikationszentrum, Einzelhandel, landseitige Kommerzielle Flächen),

Frankfurt Airport Center (Hotels, Konferenzen,  Gastronomie, Einzelhandel),

AIRRAIL Center ca. 3.4 ha  (Hotels, Konferenzen, Büros, Einzelhandel, Gastronomie),

Stadtteil Gateway Gardens  (mit S-Bahn Anschluss) ca. 35 ha (Hotels, Medienein-richtungen, Science-Center, Kongress- und Handelszentrum, Büros, Einzelhandel, Gastronomie),

Main Airport Center ca. 5.1 ha,

Mönchhof-Gelände (mit S-Bahn Anschluss) ca. 110 ha (Logistikunternehmen, Hotels, Pensionen, Gastronomie),

Ticona-Gelände  ca. 50 ha,

CargoCity Süd ca. 125 ha,

CargoCity Nord,

US-Recreation Area ca. 5.1 ha.

           

Die o.g. beantragten, geplanten, oder in Realisierung befindlichen Ausbauvorhaben sind allesamt Bausteine zur Herausbildung einer „eigenen Stadt“ oder Airport-City /Business- City mit oberzentralen Funktionen am Standort Flughafen. Insofern entwickelt sich hier ein eigenständiges Oberzentrum „Flughafen FRA“ im polyzentrischen Gefüge der Rhein-Main-Region, das nur bedingt formal vom Oberzentrum Frankfurt als abgedeckt gelten kann, denn in der Realität entwickelt sich hier ein Oberzentrum neben dem Oberzentrum Frankfurt[4] – durchaus in Konkurrenz zu diesem und den weiteren Ober- und Mittelzentren der Region.

 

Das ganz offensichtlich der Flughafen und das geplante Terminal 3 mehr als nur eine Verkehrsinfrastruktur darstellen wurde auch durch folgende Aussagen bereits vor einigen Jahren belegt:

So war in der FR vom 30.06.02 die schöne Schlagzeile zu lesen: „Nur Fliegen ist schöner als Einkaufen – Der Flughafen ist eine kleine Stadt mit Läden und Dienstleistern – und das Geschäft boomt trotz Passagierflaute“. Und am 15.12.04 heißt es in der FR: „Mehr Einzelhandelsflächen am Flughafen – Ebene 0 im Terminal 1 soll zu einer 400 Meter langen Mall umgebaut werden“. Dass es sich dabei nicht um zufällige journalistische „Eintagsfliegen“ handelt macht der Vorstandsvorsitzende von Fraport, Dr. Bender in der Hauptversammlung am 02.06.04 deutlich: „In diesem Zusammenhang ist geplant, das Retail-Geschäft in Frankfurt mit der Erweiterung der Verkaufsflächen auf rund 20.000 qm in den nächsten vier Jahren konsequent weiter zu entwickeln.“[5] Dabei kann offensichtlich der T3 nicht einbezogen sein. Hier sollen entsprechend Realisierungswettbewerb weitere knapp 10.000 qm Bruttogeschossfläche für ein Konferenzzentrum, landseitige kommerzielle Flächen und Flächen für werbliche Vermarktung entstehen.

Dies war insgesamt von der Stadt Offenbach bereits schon im ROV kritisiert worden:

Betrachtungen, die sich auf das Image, weiche Standortfaktoren und soziale Folgewirkungen der Zentren des Ballungsraumes Rhein-Main beziehen, bleiben völlig ausgespart.

„Ebenfalls unzureichend beleuchtet bleiben so genannte nicht unmittelbar flughafenabhängige „Sekundärnutzungen“ (u.a. erheblicher Einzelhandel) im Zusammenhang mit dem Ausbau des Flughafens. Bereits heute entwickeln sich diese Nutzungen in Verbindung mit den o.g. Planungen und Projekten (Überbauung ICE-Bahnhof AIRRAIL-Center, Umnutzung Gateway-Gardens, Mönchhofdreieck) zu einem eigenen, nicht integrierten Oberzentrum in der Region, das in Konkurrenz zu den traditionellen, historisch gewachsenen und regionalplanerisch zu erhaltenen und weiterzuentwickelnden Zentren tritt. Diese Entwicklung dürfte durch ein neues Terminal 3 noch beschleunigt werden.

 

Während im Generalausbauplan 2000 plus, in entsprechenden FNP-Änderungsverfahren, beim Börsengang von Fraport und in zahlreichen Pressemeldungen die Standortvorteile des Airports auch im Hinblick auf sog. „Sekundärnutzungen“ (also nicht flughafenabhängige Nutzungen, im Generalausbauplan auch „tertiäre Anlagen genannt - begrenzte Hotelkapazitäten, Einkaufsmöglichkeiten, Gaststätten usw. gehören sicherlich zu einem internationalen HUB) hervorgehoben werden und die Eignung für regional bedeutsame „Events“ herausgestellt werden, finden sich in den RegFNP Unterlagen zu solchen Entwicklungen überhaupt keine Angaben. Hier ist jedoch eine Entwicklung angelegt, die den regionalplanerisch festgelegten und weiter zu entwickelnden Zentren „städtische Nutzungen“ entzieht und so zu der oft beklagten Austrocknung der traditionellen europäischen Stadtstruktur beiträgt.

Eine umfassende Betrachtung der Entwicklung von Einzelhandelsflächen nicht nur im Gesamtbereich des Standorts „Airport-City oder Flughafenstadt “ ist notwendig und im weiteren Verfahren des RegFNP vorzulegen und mit den Kommunen abzustimmen. Der Einzelhandel am Flughafen und seine Auswirkungen werden bisher regionalplanerisch nicht beleuchtet, die Airport-City ist hier als Standort ein „weißer Fleck“.

Offenbach als Oberzentrum im Ballungskern der Region kann weder direkte noch indirekte negativen Auswirkungen einer  Airport-City oder Business-City auf seine Funktion als Oberzentrum akzeptieren.

 

Die Kritik bleibt jedoch nicht auf die Einzelhandelsflächen begrenzt, sondern bezieht sich auf weitere „städtische Nutzungen“, die im Bereich des Flughafens Frankfurt angesiedelt werden und den gewachsenen Stadtzentren der Region wichtige Nutzungen entziehen. Vor diesem Hintergrund sind negative Auswirkungen auf die angrenzenden Kommunen -hier insbesondere Offenbach-  im Verfahren des RegFNP in die Abwägung einzubeziehen und bauleitplanerisch zu klären.

Die aufgezeigte Entwicklung des Standorts Flughafen als „Stadt in der Region“, als „Oberzentrum FRA“ (u.a. mit dem T3) ist im Rahmen des Verfahrens zum RegFNP mit einem rechtsgültigen und rechtsbeständigen Abschluss des RegFNP zu klären.

 

Weiterhin ist die „Flughafenstadt“ unter den Aspekten und Fragen der Zentralität /      Zentrale-Orte-System zu betrachten. Wie in den Verfahren zum Ausbau des Flughafens FRA, so ist auch im RegFNP zu kritisieren und zu bemängeln:

Das eine Beurteilung der Auswirkungen des Vorhabens auf die Zentralität nicht stattfindet. Weder wird im RegFNP wirklich das polyzentrische Zentrumsgefüge der Region insgesamt, die historisch gewachsenen Belastungen und Stärken der Zentren, die regionalplanerischen Ziele und Grundsätze für die Fortentwicklung der polyzentrischen Struktur noch die zukünftigen und durch das Vorhaben von Fraport sich verstärkenden „Vor- und Nachteilszonen“ thematisiert bzw. bewertet und in die Abwägung einstellt. Dies ist im weiteren Verfahren zu gewährleisten.

Die Ausdehnung der Airport-City/Flughafenstadt mit flughafenaffinen und sonstigen oberzentralen Nutzungen u.a. auf die Flächen des Mönchhof-Geländes und des Ticona-Geländes sind auszuschließen.

Eine der originären Aufgaben des RegFNP ist es sich mit einem Vorhaben  der Bedeutung und Größenordnung des Flughafens Frankfurt für die Region Rhein-Main grundlegend regionalplanerisch auseinander zusetzen und in dies in die Abwägung des RegFNP einzustellen. Dies ist im weiteren Verfahren unter Beteiligung der Kommunen zu leisten und sicher zu stellen.

 



[1] Bei der Vorstellung einer aktuellen Studie der Managementberatung A.T. Kearney und dem Fraunhofer Institut  zur Entwicklung der Airport-City erklärte der Vorstandsvorsitzende der Fraport AG W. Bender, „Das ist eine neue Entwicklung, es geht nicht mehr nur um Passagierzahlen und das Kerngeschäft Luftverkehr. Er nennt „Flughafenstädte die zukünftigen wirtschaftlichen Leuchttürme, Jobmotoren, Netzwerke für Business-Verbindungen, interkulturelle Drehscheiben“ (…)  FAZ vom 11.05.2007.

[2]Vgl. hierzu auch: Offenbach Post vom 25.04.2004. Entsprechend o.g. Studie wird unterschieden: „Die erste Kategorie hält Angebote nur um den Terminal parat. Die zweite ist ergänzt um Büros und Geschäfte außerhalb der Terminals, die dritte –zu der soll Frankfurt gehören- sieht den Ausbau der Airport City zu einer Business City vor,  wobei die Verfasser der Studie den Bau und die Vermarktung einer Geschäftsstadt, die die Terminals 1und 2 im Norden mit dem Terminal 3 im Süden verbindet vorschlagen. Die vierte Kategorie umfasst eine Airport-Region die auch wohnen beinhaltet. Dieses Konzept wird in Asien auf Wüstengelände angewendet.“ 

[3]Vgl. hierzu auch: Offenbach Post vom 25.04.2004. So wurde mit der Planung der Flughafenstadt das Büro Speer Frankfurt von Fraport beauftragt.

[4]Aktuell sei hier auf das Journal Frankfurt 12/07 verwiesen: „Danach beobachtet auch der Frankfurter Einzelhandel den Aufschwung am Flughafen kritisch. Der Einzelhandelspräsident F. Albrecht sagt: „Es gibt eine gewisse Nervosität in der Region“ Fraport-Chef Bender versucht zwar zu beschwichtigen, bringt aber doch den Vergleich an, dass das neue AIRRAIL-Center mehr Fläche bietet als die gesamte Zeil, nur so zum Vergleich, versteht sich.“ Genau dies bedeutet aber das abziehen von oberzentralen Funktionen, hier zum Nachteil des OZ Frankfurt.

[5]  Dies wird auch durch das Einzelhandels- und Zentren-Konzept der Stadt Frankfurt bestätigt: In der Karte „Zentrenstruktur“ wird der Flughafen (Terminal 1 + 2) als B-Zentrum geführt. Für den Flughafenbereich werden 13.000 m2 Verkaufsfläche als Bestand geführt, die sich durch verschiedene Ausbaumaßnahmen (u.a. Überbauung ICE-Bahnhof) bis 2007 auf 20.000 m2 erweitern: „Die Planungen um den Frankfurter Flughafen entsprechen in ihrer Dimension einem neuen Stadtviertel das als Büro- und Konsumstandort internationale Firmen anspricht“ (Teilbericht Berlin/Köln, Febr. 2004, S.45).

 

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