Quelle: pio.offenbach.de
Abgerufen am 21.10.2019



Anlage zur Magistratsvorlage TOP: 084/08

 

Eigenbetrieb Kindertagesstätten (EKO); „Maßnahmen

zur Qualitätsverbesserung“

 

 

Konzeption zur Qualitätsentwicklung EKO 2008

 

 

 

Ausgangslage

 

 

Das Ziel, den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz zu erfüllen, wurde im Jahr 2007 erreicht. Für etwas mehr als 85% der Kinder im Kindergartenalter wurden Plätze geschaffen.

 

Entgegen der ursprünglichen Annahme bei Einführung des Rechtsanspruches auf einen Kindergartenplatz, dass dies bedeutet, für 85% der Population Plätze schaffen zu müssen, ist die bildungspolitisch für Offenbach erfreuliche Entwicklung zu verzeichnen, dass mittlerweile der Anteil der Nachfragerinnen und Nachfrager an der Gesamtpopulation 95% überschritten hat und sich auf die Marke von 100% zu bewegt.

 

Ein weiterer Platzausbau um 3 bis 400 Kindergartenplätze wird daher notwendig werden. Auf die vom Magistrat hierzu bereits eingeleiteten Maßnahmen (Verlegung der Horte an die Schule, Platzerweiterung am Standort Klinikum wird verwiesen). Die Fortschreibung des Kindertagesstättenentwicklungsplanes 2007/08 durch das Jugendamt ist in Arbeit.

 

Aus fachlicher Perspektive und angesichts der inzwischen erkannten Bedeutung der Elementarbildung für den Erfolg oder Misserfolg der Kinder im Bildungssystem ist auf der Basis des Hessischen Bildungs- und Erziehungsplans eine Offensive der Qualitätsentwicklung in den Einrichtungen des EKO geboten. Der EKO hat in den vergangenen Jahren hierfür beste Voraussetzungen - beispielsweise mit seinem verbindlichen Qualitätshandbuch – geschaffen.

 

Gefordert ist jetzt die Implementation einer Qualitätsstruktur auf der Basis aktuellen Wissens über kindliche Entwicklung und die Potentiale von Kindern sowie eine den neuen Anforderungen gewachsene Alltagsstruktur in den Einrichtungen. Hierfür ist es insbesondere notwendig, das pädagogische Personal mit dem notwendigen Know-how auszustatten, Maßnahmen der Entlastung vorzunehmen und das Leitungspersonal auf die veränderten Anforderungen an Steuerung und Unterstützung vorzubereiten.

 

Mit dem von der Stadtverordnetenversammlung verabschiedeten Wirtschaftsplan 2008 für den EKO wurde daher vorgeschlagen, circa 600 T€ für differenzierte Maßnahmen zur Qualitätssteigerung der Bildungsarbeit in den Einrichtungen des EKO bereitzustellen. Diese sollen sowohl erste Maßnahmen zur Einleitung der Gruppenreduktion wie Verbesserung der Personalsituation und systematische Weiterbildung des pädagogischen Personals enthalten.

 

 

 

Maßnahmen 2008

 

 

In Abstimmung mit der Betriebskommission und der Betriebsleitung sollen die Mittel für folgendes, auch von der Personalvertretung positiv bewertetes Maßnahmenpaket in 2008 eingesetzt werden:

 

 

 

Nr.

Maßnahmen

Kosten ca.

1

 Finanzierung von 7 Springerstellen

294.000,00 €

2

Gruppenreduktion auf 20 Plätze in den Doppelbelegungsgruppen bw. Kitas 16 u. 17 oder in weiteren KTs mit bes. Belastungssituationen

142.000,00 €

3

Zweitägige Klausur zur Neuausrichtung der Qualitätspolitik des EKO mit den Leiterinnen u. stv. Leiterinnen

7.000,00 €

4

Vorqualifizierungsmaßnahmen für die Leitungen

50.000,00 €

5

10 Sitzungen Coaching für die stv. Leiterinnen

13.650,00 €

6

Ca. 12 zusätzliche Fall-Supervisionen je Kita mit Wissens- u. Theorievermittlung

33.300,00 €

7

Fremdvergabe: Fachlich-wissenschaftliche Unterstützung der BL, Operationalisierung von Maßnahmen und Administration in der Einführungsphase

60.000,00 €

 

Summe Kosten 08

599.950,00 €

 

Erläuterungen:

 

 

Zu 1

 

Mit der Schaffung sieben zusätzlicher Springerstellen werden folgende Ziele verfolgt:

 

  • Die gezielte Entlastung von Einrichtungen, während der Qualifizierungsphasen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Der in diesen Phasen auftretende Personalmangel im Gruppendienst ist einer der wesentlichen Gründe für die nicht gelingende Implementation neuer Arbeitsansätze und Methoden. Das implizit verfolgte Ziel ist die Optimierung von Prozessen der Qualitätsentwicklung in den Einrichtungen und ihren Gruppen.
  • Die gezielte Entlastung von Einrichtungen, die einen akuten Personalmangel wegen Krankheit oder vorübergehender Unterbesetzung aufweisen.
  • In Zeiten des nicht spezifischen Einsatzes der Springerinnen die Entlastung von Einrichtungen mit sehr hohem Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund und/oder doppelt belegten Gruppen.
  • Die sofortige Bereitstellung von Vertretungskräften.

 

 

Zu 2

 

Alle Einrichtungen mit Doppelbelegung berichten, dass diese im Alltag zu den größten Belastungen und Qualitätseinbußen führt. Insbesondere dann, wenn dies auch noch mit einer eher beengten räumlichen Situation korrespondiert. Die beiden Einrichtungen (Kita 17 und 16) mit den diesbezüglich schwierigsten Bedingungen sollten möglichst umgehend durch den Einstieg in die Gruppenreduzierung entlastet werden. In weiteren Einrichtungen mit Doppelbelegung und relativer räumlicher Enge soll in den Folgejahren bei Entspannung des Angebots-/ Nachfragedifferentials nach gleicher Maßgabe der Einstieg in die Gruppenreduktion erfolgen.

 

 

Zu 3

 

Die Neuausrichtung der Qualitätsentwicklung des EKO und der notwendige betriebliche Entwicklungsprozess müssen mit den Leitungen der Kindertagesstätten fachlich, inhaltlich wie hinsichtlich der Aufgabenneuorientierung der Leitungen intensiv vorbereitet werden.

Diese Konzeption geht davon aus, dass Weiterbildung wie Fortbildung so nah und konkret wie möglich entlang der Alltagsarbeit des pädagogischen Personals mit den Kindern vor Ort stattfinden muss und die Leitungen die Umsetzungs- und Einführungsprozesse in der Kinderarbeit beratend wie anleitend unterstützen müssen.

Die zweitägige Klausur dient der Ausrichtung und Vorbereitung der Leitungen bezüglich dieser Aufgaben. Die geplanten Kosten entstehen für Unterkunft und Verpflegung. Moderation und Steuerung der Veranstaltung wird von der Betriebsleitung und der pädagogischen Leitung übernommen.

 

 

Zu 4

 

Leiterinnen und ihre Stellvertreterinnen sind der Schlüssel einer gelingenden Einführung neuer Bildungsinhalte wie pädagogischer Konzepte und Methoden.

Leitung erfordert in pädagogischen Einrichtungen in ganz besonderer Weise die Fähigkeit zur Anleitung und Unterstützung des pädagogischen Personals. Hier müssen Stärken und Schwächen in den Blick genommen und durch gezielte Interventionen versucht werden, die einzelne Erzieherin pädagogisch zu unterstützen und weiterzuentwickeln.

Die Führungskräfte benötigen hinsichtlich des Bildungsauftrages methodisch wie inhaltlich ein gutes Überblickswissen und sie müssen über die entsprechenden organisatorischen Fähigkeiten verfügen, die verabredeten Bildungsinhalte alltagstauglich umzusetzen. Dabei müssen sie das pädagogische Personal und im Bedarfsfall auch die Eltern und Kinder an allen wichtigen Veränderungsprozessen beteiligen.

 

Es ist daher notwendig, für die Leitungen einen Qualifizierungsvorlauf zu organisieren. Folgende Schwerpunkte werden in dieser Weiterbildung zum Einstieg angeboten werden:

 

  • Eine besondere Bedeutung kommt der Qualifikation hinsichtlich Gruppenprozessen zu. Das bezieht sich sowohl auf den Gruppenprozess im Team als auch auf die Gruppendynamik in den jeweiligen Kindergruppen. Hierfür sollen Fachseminare zur Gruppendynamik und Teamentwicklung angeboten werden.
  • Das Wissen zur kindlichen Entwicklung und Sozialisation sowie den kognitiven Fähigkeiten von Kindern wurde in den letzten 15 bis 20 Jahren weitgehend erneuert. In Fachseminaren sollen die Kenntnisse der Leitungen hierüber auf den Stand der Zeit gebracht werden.
  • Grundlagen der Bindungstheorie sollen vermittelt werden. Dieser kommt besondere Bedeutung beim Verstehen von Trennungs- und Eingewöhnungsprozessen zu.
  • Die fachlichen Anforderungen an die Erstellung von Gefährdungsanalysen bezüglich des Kindeswohls sollen vermittelt werden.
  • Die Inhalte des hessischen Bildungs- und Erziehungsplans sollen in Fachseminaren vermittelt und abgehandelt werden.
  • Das Wissen hinsichtlich der Förderung von Kindern mit speziellem Bedarf soll erweitert werden.

 

 

Zu 5

 

Die stellvertretenden Leitungen hatten in der bisherigen Kultur des EKO in gewisser Weise eine Brückenfunktion zwischen Leitung und Erzieherinnen im Gruppendienst, da sie mit mindestens 50% ihres Stundenbudgets in den Gruppendienst eingebunden sind. Mit der notwendigen Rollenveränderung der Leitungen hinsichtlich der alltäglichen Einflussnahme auf die pädagogische Arbeit wird sich auch die Rolle und das Selbstverständnis der stellvertretenden Leitungen verändern müssen.

Dieser Prozess soll durch ein orientierendes und anleitendes Coaching unterstützt werden.

 

 

 

 

Zu 6

 

Das größte Hemmnis in der Weiterentwicklung und Qualifizierung der Arbeit in Kindertagesstätten sind die Schwierigkeiten des pädagogischen Personals, theoretisch Gelerntes oder wissenschaftliche Erkenntnisse in praktisches Handeln im Alltag umzusetzen. Deshalb ist es erforderlich, Wissen und Theorie im unmittelbaren Arbeitszusammenhang am Gegenstand der Arbeit selbst zu erfahren und sofort nützlich einsetzen zu können. Das gesamte zukünftige Weiterbildungskonzept soll nach dieser Prämisse ausgerichtet werden.

Die lehrende und nicht nur reflexive Supervision ist hierfür ein günstiger und unmittelbar wirkender Lernort.

 

 

Zu 7

 

Die bereitgestellten Mittel effektiv einzusetzen, erfordert zu Beginn des einzuleitenden Prozesses, insbesondere mit Blick auf die ab 2009 flächendeckend zu organisierenden und fachlich, inhaltlich zu definierenden Weiterbildungsmaßnahmen, in erheblichem Umfang akademische Recherchetätigkeiten, Erstellung operationaler Programme, Gewinnung von qualifizierten Weiterbildnerinnen und damit zusammenhängendem administrativem Aufwand.

 

Der EKO verfügt nicht über die notwendigen Personalkapazitäten, diese Aufgabe innerhalb kurzer Zeit auf dem zu fordernden qualitativem Niveau zu bewältigen. Die Erstellung und operative Einleitung auf der Basis der Vorgaben des EKO soll daher durch ein externes, wissenschaftlich qualifiziertes Institut unterstützt werden. Vorgesehen ist die Unterstützung durch eine wissenschaftliche Fachkraft für maximal 12 Monate im Zeitraum Mitte 2008 bis circa Mitte 2009, die durch ein noch zu gewinnendes Institut vor Ort im Eigenbetrieb eingesetzt wird. Deren Aufgabe wäre ausdrücklich nicht Analyse und Beratung mit dem Ergebnis von Empfehlungen, sondern die unmittelbare, fachlich-wissenschaftliche Unterstützung der Betriebsleitung bei der Entwicklung und Umsetzung deren Konzeption.

 

Mit Beginn 2009 soll der Qualitätsentwicklungsprozess soweit vorstrukturiert und eingeleitet sein, dass auf der Basis der im WPL 2009 bereitzustellenden Mittel die Ausweitung in die Fläche verantwortet werden kann und die gewünschten Effekte aller Voraussicht nach erreicht werden können.

 

Auszugehen ist dabei von einer stufenweisen Steigerung der Mittel bis zu den Kosten, die bei einer Gruppenreduktion auf 22er Gruppen in der Fläche anfallen würden (ca. 1,3 Mio.€). Dies inklusive weiterer Maßnahmen der gezielten Gruppenreduktion.

 

 

Grundsätzliche, inhaltliche Ausrichtung des Qualifizierungsprozesses

 

o        Sprache und Sinnverstehen

 

§         Sprache und Literacy

Ä      Selbstverständliche Handhabung des Sprachförderprogramms Kon-Lab im Alltag, Geschichten vorlesen und erzählen können, korrekte Aussprache und Satzbildung im Umgang mit den Kindern, den eigenen Zugang zur Sprache sinnlich wie intellektuell weiterentwickeln (Lust an Sprache und Sprechen), gute Kenntnisse über die Sprachaneignungsprozesse von Kindern, Beherrschung sprachlogischer Zuordnungen und Konstrukte, spezielles Methodenwissen der Vermittlung.

 

 

 

 

 

o        Operationale Intelligenz

 

§         Mathematik

Ä      Wissen über die Entwicklung mathematischer Bewußtheit von Kindern, deren Zusammenhang mit der Entwicklung von Sprache, Nutzung sinnlicher – auch musikalischer – Wahrnehmung und Produktion, Methodenwissen, die eigenen Fähigkeiten hinsichtlich mathematischer Bewußtheit entwickeln.

§         Naturwissenschaften

Ä      Kausale Zusammenhänge selbst analysieren zu können, Methodenwissen, verfügbares Wissen über Experimente.

§         Technik

Ä      Zusammenhänge zwischen Technik, naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und Mathematik begreifen, Methodenwissen.

 

o        Sinnlich orientiertes Lernen

 

§         Musik und Tanz

Ä      Musische Begabung nutzen, Entwicklung der eigenen musikalischen Fähigkeiten, Singen - eventuell ein Instrument spielen können, Wissen über den Zusammenhang von anderen Bereichen der Entwicklung von Kindern mit eher sinnlichen Angebote.

 

o        Entwicklungspsychologisches Wissen

 

§         Lernen und lernmethodische Kompetenz

Ä      Kenntnisse modernen Wissens über Lernen beziehungsweise Lernen lernen, entwicklungspsychologische Kenntnisse, Methodenwissen.

§         Individuumsbezogene Kompetenzen und Ressourcen

Ä      Strukturiertes Beobachten, diagnostischer Blick, empathische Fähigkeiten, Selbstreflexion.

§         Dokumentation der kindlichen Lern- und Entwicklungsprozesse

Ä      Strukturiertes Beobachtern; die Fähigkeit, sich in Sprache präzise auszudrücken, breites Wissen über die altersgemäßen Entwicklungsstände von Kindern hinsichtlich Kognition und Emotion.

§         Emotionalität und soziale Beziehungen

Ä      Eigene Reife, empathische Fähigkeiten, Wissen über Gruppenprozesse, Fähigkeiten diese zu nutzen und zu beeinflussen.

 

o        Faktenwissen und Verständnis der Zusammenhänge

 

§         Gesundheit

Ä      Wissen über die gesunde körperliche Entwicklung von Kindern, Bewegung und Sport, Wissen über gesunde Ernährung.

§         Mädchen und Jungen

Ä      Wissen über Differenz, Ähnlichkeit und Gleichheit in der Entwicklung von Mädchen und Jungen; Methodenwissen; Wissen über soziale Rollenzuordnungen, Kenntnisse zur Diskussion um die Frage der Geschlechtergerechtigkeit.

§         Kinder mit verschiedenem kulturellen Hintergrund

Ä      Wissen über die Auswirkungen unterschiedlicher kultureller Hintergründe auf die Sozialisation von Kindern; intellektuelle Fähigkeiten, sich Deutungsmuster und Orientierungen anderer Kulturen zu erschließen.

 

 

o        Gesellschaftliche Integration

 

§         Werteorientierung

Ä      Reflektierte eigene Wertvorstellungen, die gelebt, hinterfragt und erlebt werden können. Wissen um die Entwicklung wie Veränderung von Wertvorstellungen in unserer Gesellschaft.

§         Demokratie

Ä      Methodisches Wissen zur Vermittlung und Einübung demokratischen Verhaltens, Kenntnisse partizipatorischer, pädagogischer Ansätze, Kenntnisse der formalen Struktur freiheitlich, demokratischer Gesellschaften.

 

 

 

gez.

Dorenburg

Betriebsleiter

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