Quelle: pio.offenbach.de
Abgerufen am 11.12.2019



Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt

Offenbach am Main

2011 - 2016

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2011-16/DS-I(A)0601                                                         Ausgegeben am 10.09.2014

                                                                                               Eing. Dat. 04.09.2014

 

 

 

 

 

Sicherungsmaßnahmen an den Lüftungskaminen der Felsenkeller an der städtischen Liegenschaft Bierbrauerweg 41, Offenbach am Main

hier: Projektbeschluss

Antrag Magistratsvorlage Nr. 257/14 (Dez. I, Amt 80) vom 03.09.2014

 

 

Der Magistrat beantragt, dass die Stadtverordnetenversammlung wie folgt beschließt:

 

1.       Den Sicherungsmaßnahmen an den Lüftungskaminen der Felsenkeller an der städtischen Liegenschaft Bierbrauerweg 41 wird nach der von der EEG Entwicklung Erschließung Gebäudemanagement GmbH, Senefelderstraße 162, 63069 Offenbach am Main als Projektsteuerer erstellten und vom Revisionsamt geprüften detaillierten Kostenermittlung in Höhe von 115.000,00 EUR einschließlich Planungskosten und Projektsteuerungsleistungen zugestimmt.

2.       Die erforderlichen Mittel in Höhe von 115.000,00 EUR stehen im Haushaltsplan 2014 bei Produktkonto 10010300.6161000280 (Instandhaltung Gewerbeobjekte) zur Verfügung.

 

 

Begründung:

 

Anlass für die Erstellung der Planungs- und Kostenausarbeitung für die Sicherungsmaßnahmen war eine Bodenabsenkung im Bereich des Tennenplatzes der Sportanlage am Bierbrauerweg. Festgestellt wurde diese Bodenabsenkung durch den auffälligen Abriss eines Geländers auf der Sportanlage.

 

Da bekanntermaßen unter Teilen des Sportfeldes mehrere Stollen mit einer Länge von bis zu 75 m und bis zu 5 m Breite liegen, stand der Verdacht nahe, dass es hier möglicherweise zu größeren Einbrüchen gekommen sei. Der Zugang zu diesen Stollen erfolgt über das städt. Grundstück Bierbrauerweg 41. Anhand eines Lageplanes der 6 parallel verlaufenden Stollen aus dem Jahr 1944 und einem Abgleich mit aktuellen Flurkarten konnte dieser Verdacht nicht erhärtet werden. Zur Klärung der möglichen Ursachen wurde die EEG GmbH beauftragt, weitere Untersuchungen einzuleiten und zu koordinieren. Zuerst wurde die ISK Ingenieurgesellschaft für Bau- und Geotechnik mbH mit einer gutachterlichen Stellungnahme beauftragt. Die gemeinsame Begehung der Stollen ergab zwar an einigen Stellen lokal begrenzte Ausbrüche, jedoch von sehr geringem Umfang. Gleichzeitig erfolgte über das städt. Vermessungsamt eine Überprüfung der Lage und der Höhe der Stollen mittels tachymetrischer Aufnahmen. Allerdings konnten kaum Abweichungen zum Lageplan aus dem Jahr 1944 festgestellt werden. Nach dieser ersten Beurteilung konnte sodann auf eine Umwelttechnische Untersuchung des Büros CDM, veranlasst durch das städt. Umweltamt im Jahr 2005, zurückgegriffen werden. Demnach befindet sich nordöstlich der Felsenkeller eine große Altablagerung. Der mit Bauschutt und Müll verfüllte Bereich hat eine Mächtigkeit von bis zu 8 m. Nach allen gewonnenen Erkenntnissen handelt es sich bei der an der Oberfläche sichtbaren Senke um Folgeerscheinungen von Setzungen der Altablagerungen.

 

Jedoch wurde bereits in der ersten gutachterlichen Stellungnahme des Büros ISK auf mögliche Risiken der Lüftungsschächte hingewiesen. Das Stollensystem verfügt über insgesamt 11 solch aufgemauerter Lüftungsschächte. Hiervon liegen 5 Schächte im oder direkt am Sportfeld und wurden bei der Herstellung des Sportfeldes abgedeckt. Ein 6. Schacht wurde ebenfalls abgedeckt. Weitere 5 Kamine sind im ursprünglichen Zustand noch mit Kaminköpfen vorhanden.

 

Grund der Bedenken bezüglich der Lüftungskamine war der zum Teil schlechte Zustand der im Stollen sichtbaren Auflager. Diese bestehen zum Teil aus gemauerten Rundbögen aber auch aus Stahlträgern. Auf Grund dieses Zustandes und möglicher weiterer Bodenbewegungen im Nahbereich der Kamine sei ein Versagen und somit Abrutschen möglich.

 

Im Juni vergangenen Jahres kam es zudem in der benachbarten Parkanlage nördlich der untersuchten Felsenkeller zu einem Einsturz einer Kaminabdeckung bei Mäharbeiten. Hier verläuft ein einzelner Stollen mit einer Länge von 74 m. Dieser wurde vermutlich vor etwa 30 Jahren aufgegeben, der Zugang abgemauert und verschüttet. Neben der Standsicherheit der Kamine selbst stand nun auch der Zustand der Kaminabdeckungen in Frage. Daher wurden die Abdeckungen auf dem Sportfeld zur Begutachtung freigelegt. Die Abdeckungen bestehen jeweils aus zweiteiligen Stahlbetonplatten und befinden sich im Wesentlichen in einem guten Zustand. Auffällig und bedenklich war jedoch der Zustand der gemauerten Auflager.

 

Auf Grund der seitens der Gutachter getroffenen Feststellungen sind zur Aufrechterhaltung der weiteren Nutzung des Sportgeländes am Bierbrauerweg somit entsprechende Sicherungsmaßnahmen zu ergreifen.

 

Um sicher zu gehen, dass im Bereich des Sportfeldes nicht weitere Stollen oder Hohlräume vorhanden sind wurde noch eine oberflächengeophysikalische Messung durchgeführt. Als Ergebnis konnten am Sportfeld keine weiteren Hohlräume festgestellt werden. Ein Verdachtsmoment fand sich am Einzelstollen in der Parkanlage. Hier soll eine Erkundungsbohrung durchgeführt werden. Diese ist nicht Bestandteil dieser Projektkostenvorlage.

 

Es wurden verschiedene konstruktive Lösungen zur Lagesicherung der Lüftungskamine untersucht. Unter anderem auch das vollständige Verfüllen der Stollen. Nach einer groben Kostenschätzung beliefen sich die hierfür erforderlichen Mittel auf ca. 600.000,-- EUR zzgl. Nebenkosten.

 

Des Weiteren wurden neue Stahlbetonabdeckungen auf Streifenfundamenten (4,5 m x 4,5 m) gegründet im gewachsenen Boden und eine Stützkonstruktion der Kaminauflager untersucht.

 

Die folgenden bautechnischen Lösungen sollen nun zur Ausführung kommen:

 

a)     Lüftungskamine im Sportfeld           
Herstellung massiver Betonfundamente in den Stollen bis zu den Kaminschachtauflagern und verfüllen der Kamine mit verdichtungsfähigem gebrochenem Material. Der Beton kann mittels Pumpe über die Kamine eingebracht und verdichtet werden. Es sind jeweils 4 Betonierabschnitte geplant. Im Sohlebereich der Betonfundamente ist das lose Gesteinsmaterial vorab zu entfernen und eine ebene Auflagerfläche herzustellen. Zu beachten ist, dass die Lüftungsfunktion für die Stollenanlage bestehen bleibt. Hierzu sollen druckfeste aufsteigende KG-Rohre eingebaut werden. An zwei Standorten ist auf Grund der Enge und zum Erhalt der Zugänglichkeit eine Stützkonstruktion mit Pilzkopf vorzusehen. Nach Verfüllung der Kamine und Nachverdichtung wird ein Geotextil als Trennlage aufgebracht und der Aufbau des Tennenplatzes wieder hergestellt.

b)     Lüftungskamine mit Kaminkopf      
Hier wird eine Stützenkonstruktion aus höhenverstellbaren Deckenstützen unter den Kaminauflagern montiert.     

Da die Stollen in den nächsten Jahrzehnten weiteren Verwitterungsprozessen unterliegen werden, muss der Zustand überwacht werden, um künftige Veränderungen frühzeitig erkennen zu können. Zum einen werden die vorhandenen Kaminköpfe und zwei Höhenfestpunkte im Sportfeld mittels regelmäßiger Setzungsmessungen durch das städt. Vermessungsamt überprüft. Des Weiteren wurde die Stollenanlage mittels 3D-Scan aufgenommen. Anhand dieser detaillierten Aufnahmen soll zukünftig einmal jährlich eine Begehung stattfinden, um eventuelle Veränderungen feststellen zu können.

 

Von Seiten des Revisionsamtes bestehen nach Vorprüfung der von der EEG Entwicklung Erschließung Gebäudemanagement GmbH erstellten Kostenermittlung gegen die Durchführung der Maßnahme keine Bedenken.

 

Die erforderlichen Mittel in Höhe von 115.000,00 EUR stehen im Haushaltsplan 2014 bei Produktkonto 10010300.6161000280 (Instandhaltung Gewerbeobjekte) zur Verfügung.

 

Im Büro der ehrenamtlichen Magistratsmitglieder und danach im Büro der Stadtverordnetenversammlung liegt eine detaillierte Kostenberechnung zur Einsichtnahme aus.

 

Dieser Text wurde mit dem "Politischen Informationssystem Offenbach" erstellt. Er dient nur der Information und ist nicht rechtsverbindlich. Etwaige Abweichungen des Layouts gegenüber dem Original sind technisch bedingt und können nicht verhindert werden.