Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt

Offenbach am Main

2011 - 2016

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2011-16/DS-I(A)0741/1                                                      Ausgegeben am 14.07.2015

                                                                                               Eing. Dat. 13.07.2015

 

 

 

 

 

Einsatz für Kinder und Jugendliche in Offenbach erhöhen

Änderungsantrag SPD, B´90/Die Grünen und FW vom 13.07.2015

 

 

Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:

 

Der Antrag wird wie folgt geändert:

 

Der Magistrat der Stadt Offenbach wird beauftragt, folgende Punkte umzusetzen:

 

1.    Mit dem Familienzentrum ZION im Mathildenviertel wird ein langjähriger Zuwendungsvertrag in Höhe von insgesamt 100.000 Euro abgeschlossen. Ziel ist insbesondere die Ausweitung und Stärkung der niedrigschwelligen Beratungsleistungen im Familienzentrum.

 

2.    Es wird geprüft und berichtet, ob und wie sichergestellt werden kann, dass in allen Offenbacher Schulen, Jugendzentren städtischer und freier Träger sowie in allen Stadtteilbüros ein bis zweimal wöchentliche Hausaufgaben- und Nachhilfestunden angeboten werden. Das Angebot soll die Nachfrage decken.

 

3.    Die Fördervereine aller Offenbacher Grundschulen (15) erhalten, nach Sozialstrukturindex gestaffelt, einen einmaligen Zuschuss von insgesamt 45.000 €.

 

4.    Mit dem ehrenamtlichen Projekt wellcome Offenbach wird ein mehrjähriger Zuwendungsvertrag in Höhe von insgesamt 22.500 € abgeschlossen.

 

5.    Ab dem Sozialbericht 2016 soll aufgezählt und kurz beschrieben werden, welche Projekte und Initiativen (aller Träger) gegen die Auswirkungen von Kinderarmut es in den Stadtteilen jeweils gibt. Wo möglich sollen nötige Handlungsfelder aufgezeigt werden.

 

6.    Der Magistrat berichtet im Ausschuss Kultur, Schule, Sport regelmäßig über die Entwicklung bezüglich des im „Bündnis für Bildung“ gesetzten Schwerpunktthemas „Schulverweigerung in Offenbach“ und die konkreten Maßnahmen in diesem Bereich.

 

Die Auszahlung erfolgt auf von der Kämmerei neu anzulegende Produktkonten. Die Finanzierung erfolgt durch Mehreinnahmen auf dem Produktkonto 01010700.5989000020 (insg. 914.778,93 €). Die Mittel werden im Nachtrag 2015 umgesetzt. Um die Auszahlung zu gewährleisten, werden die jeweiligen Produktkonten und das Produktkonto 01010700.5989000020 bis zur Umsetzung im Nachtrag 2015 in einen Deckungskreis genommen.

 

 

Begründung:

 

Noch immer sind in Offenbach überproportional viele Kinder von Armut betroffen. Während die Kommunalpolitik in den meisten Fällen die Ursachen der Armut nicht beeinflussen kann, kann sie Initiativen unterstützen und Maßnahmen ergreifen, die zumindest die Auswirkungen von Kinderarmut abmildern können. Das ist das Ziel dieses Antrags.

 

Zu 1.: Das ZION ist das einzige Familienzentrum in Offenbach und wurde bislang vom Land Hessen gefördert. Diese Förderung läuft nun aus. Die antragsstellenden Fraktionen halten die Arbeit des Zentrums für wichtig und möchten die Förderung fortführen sowie die Intensivierung der Arbeit und Ausweitung der Angebote für Kinder im Mathildenviertel erhöhen.

 

Zu 2.: Kinder, die in Armut leben, haben in vielen Fällen wenig Unterstützung bei der Erarbeitung ihrer Hausaufgaben durch ihre Eltern. Wichtig ist daher, dass sie in allen Stadtteilen niedrigschwellig erreicht werden können. Die Stadtteilbüros und Jugendzentren sind mit ihren zentralen Lagen gute Anlaufstellen. Momentan gibt es noch nicht in allen Stadtteilbüros Hausaufgabenhilfen.

 

Zu 3: Die Fördervereine der Offenbacher Grundschulen sind sehr aktiv und engagiert. Manchmal fehlt jedoch das Geld für weitere Aktionen, die an den Grundschulen mit den Offenbacher Kindern veranstaltet oder organisiert werden können. Mit der einmaligen Förderzuweisung möchten wir die Aktivitäten unterstützen.

 

Zu 4: Das Programm wellcome Offenbach ist Teil eines bundesweiten Netzwerks und arbeitet seit fünf Jahren in Offenbach. Das Projekt kooperiert mit dem Sana-Klinikum, einer Seelsorgerin, Kinderärzten, Hebammen und Pro Familia. Diese rufen an, wenn sie  den Eindruck haben, Familien könnten Unterstützung gebrauchen. Familien, die Hilfe benötigen, können sich auch direkt an wellcome wenden. Vielen Hilfesuchenden kann schnell geholfen werden. Ehrenamtliche Frauen gehen je nach zeitlicher Kapazität 1-3mal in der Woche für einige Stunden in die Familien. Auch wenn sich häufig Freundschaften mit den Eltern entwickeln – die Ehrenamtlichen sind vordergründig für die Kinder da. Sie spielen mit ihnen, machen kleinere Ausflüge oder gehen auf den Spielplatz. Sind die Kinder noch kleiner helfen sie bei der Pflege und gehen mit ihnen spazieren. Finanziert werden sollen die wellcome-Projekte vor Ort nach dem bundesweiten Konzept eigentlich von einem Eigenbeitrag der Familien von fünf Euro pro Stunde. In Offenbach jedoch können viele der Eltern das Geld nicht aufbringen. Es besteht ein jährlicher Fehlbetrag von ca. 4.500 €. Die antragsstellenden Fraktionen möchten das erfolgreiche niedrigschwellige Projekt langfristig auf stabile Beine stellen. Der Förderbetrag von 22500 Euro würde das Projekt für fünf Jahre auf sichere Beine stellen.

 

Zu 5: Zur Bewältigung der Auswirkungen der Kinderarmut muss bekannt sein, welche Hilfsprojekte es in der Stadt bereits gibt. Dazu müssen auch private Initiativen und Programme freier Träger berücksichtigt werden. So können gezielte Maßnahmen in besonders betroffenen Stadtgebieten mit noch zu wenigen Hilfsstrukturen ergriffen, Initiativen vernetzt und beraten werden.

 

Zu 6: Das „Schwänzen“ der Schule ist häufig ein Hilferuf der Jugendlichen. Diesem Ruf nach Unterstützung und Aufmerksamkeit wird systemisch nachgekommen. Die Antrag stellenden Fraktionen möchten mittels einer regelhaften Berichterstattung sicherstellen, dass die Stadtverordnetenversammlung jederzeit auf Entwicklungen reagieren kann. Das Thema ist absolut vorrangig.