Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt

Offenbach am Main

2016 - 2021

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2016-21/DS-I(A)0246                                                         Ausgegeben am 24.07.2017

                                                                                               Eing. Dat. 21.07.2017

 

 

 

 

 

ÖPNV-Potentiale zwischen Offenbach und Frankfurt

Antrag SPD vom 20.07.2017

 

 

Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen:

Der Magistrat wird beauftragt:

1.    Die vorliegenden Vorschläge von der Straßenbahn und S-Bahn über Busse bis zu E-Mobiliät und autonomem Fahren für einen besseren Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zwischen Offenbach und Frankfurt aufzulisten und zu bewerten. In diese Bewertung sind Kundenpotentiale, Investitionen, Gegenfinanzierung, Betriebskosten und Zeithorizont einzubeziehen.

Insbesondere sind folgende Verbindungen zu betrachten:

- Innenstadt – Hafen – Frankfurt Fechenheim / Ostbahnhof (Anschluss

S-Bahn)

- Innenstadt – Oberrad – Frankfurt (Mühlberg) – Linie 16 oder Bus

- Ausbau einer Regionaltangente Ost mit Verknüpfung zur Regionaltangente West

- Stärkung der Schienenverbindung Richtung Flughafen auch über den Offenbacher Hauptbahnhof und Richtung Langen/Darmstadt sowie Richtung Aschaffenburg

- Verbindung Kaiserlei – Hafen –  Hanauer Landstraße

 

2.    Das Ergebnis dieser Bewertung ist den Fraktionen noch vor der Verabschiedung des Nahverkehrsplans 2018-2022 für die Stadt Offenbach vorzulegen.

 

 

Begründung:

 

Offenbach liegt mitten in der Region Rhein-Main. Ob Wohnen, Arbeiten, Theaterbesuch oder Einkaufsbummel: die Gemeindegrenzen sind für den Alltag der Menschen in der Region Rhein-Main kaum noch von Bedeutung. Nach Frankfurt pendeln täglich 300.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Für Offenbach nennt das Statistische Jahrbuch rund 50.000 Ein- bzw. Auspendler. Schnelle und umweltfreundliche Busse und Bahnen sind die bestmögliche Antwort gegen Staus und Feinstaub. Nur mit einem schnellen, leistungsfähigen und vernetzten Öffentlichen Personennahverkehr kann sich die Metropolregion um Frankfurt als führender Wirtschaftsstandort und gleichzeitig qualitativ hochwertiger Wohnstandort weiterentwickeln.

 

Mit der Ausweisung neuer Wohngebiete haben Magistrat und Stadtverordnetenversammlung in den vergangenen Jahren die Weichen für den notwendigen Strukturwandel in Offenbach in die bestmögliche Richtung gestellt. Die Hafeninsel, der Stadtteil „An den Eichen“ oder das Senefelder-Quartier, um nur drei Beispiele zu nennen, sind für viele Menschen heute zur Heimat geworden. Bieber Nord, Bürgel-Nordwest sowie Waldhof II werden erschlossen und Rumpenheim Nord-West sowie Bürgel Süd-Ost sind Erweiterungsflächen, die der Masterplan als wünschenswert für die künftige Entwicklung Offenbachs erachtet. In all diesen Quartieren werden einmal insgesamt über 10.000 Menschen wohnen.

 

Viele der Neu-Offenbacherinnen und –Offenbacher kommen aus Frankfurt. Die Europäische Zentralbank ist ein Entwicklungsmotor für den Osten Frankfurts. Offenbach wird von dieser Entwicklung besonders profitieren, wenn die jeweiligen Stadtteile diesseits und jenseits des Mains eng verknüpft sind.

 

Die bisherigen Praxis insbesondere beim Busverkehr, dass Offenbach und Frankfurt ihre jeweils eigenen Nahverkehrspläne auflegen und dabei die Stadtgrenze oft auch die Fahrtgrenze ist, spiegelt die Wirklichkeit der Bewegung der Menschen nicht ansatzweise wider.

 

Mit der Honsellbrücke ist für den Individualverkehr eine gute Verbindung geschaffen worden. Das muss jetzt auch für den ÖPNV gelingen.

 

Die Stadt Frankfurt plant einen neuen Gesamtverkehrsplan, der in zwei bis drei Jahren verabschiedet werden und alle aus Sicht der Stadt Frankfurt wünschenswerten Vorhaben bis zum Jahr 2030 enthalten soll.

Ziel des vorliegenden Antrags ist es, dass die Stadt Offenbach mit konkreten eigenen Vorschlägen an die Stadt Frankfurt herantritt, wie die Verbindung von Frankfurt und Offenbach zukünftig aussehen sollte, damit dies Eingang in den Gesamtverkehrsplan der Stadt Frankfurt und in den Nahverkehrsplan der Stadt Offenbach findet.

Ein  prosperierendes Offenbach braucht neben der S-Bahn weitere schnelle Nahverkehrsverbindungen in den Osten von Frankfurt, aber auch nach Oberrad und über den Hauptbahnhof Richtung Flughafen und in den Süden der Region.

 

Wichtig sind auch schnelle Verbindungen aus den neuen Wohngebieten Richtung Offenbach City / Fußgängerzone, um Kaufkraft in der Stadt zu binden.

 

Es gibt zahlreiche Vorschläge für neue Strecken und Linien:

 

-       Ideen des Planungsverbandes zu einer Regionaltangente Ost: Verknüpfung mit Regionaltangente in Neu-Isenburg, Führung über Gravenbruch und Offenbach-Süd zum Kaiserlei; Verknüpfung mit Linie 16 an der Stadtgrenze, Verknüpfung mit der S-Bahn am Kaiserlei, Weiterführung über Hafen nach Fechenheim, dort Einfädelung auf die vorhandene Straßenbahntrasse; in Mainkur Option der Einfädelung in Nordmainische S-Bahn oder sogar bei Umnutzung von Industriebahngleisen nach Enkheim mit Anschluss an U-Bahn.

 

-       eine Südtangente von Aschaffenburg, über Offenbach Ost, den Offenbacher Hauptbahnhof, Frankfurt Süd und Frankfurt Flughafen (ggf. bis Mainz) bzw. via Frankfurt Süd nach Langen/Darmstadt.

-       aus Frankfurt und Offenbach: Vorschläge zur Verlängerung der Linie 16 bis zur Kaiserstraße auch in einer Variante Verknüpfung mit der S-Bahn-Station Marktplatz, die traditionellen Einkaufsbeziehungen “der Oberräder” nach Offenbach zu  revitalisieren.

-       Verdichtung des Busverkehrs zwischen der Endhaltestelle der Linie 16 und der Offenbacher City, um für die Menschen aus Oberrad an traditionelle Einkaufsbeziehungen anzuknüpfen.

-       Elektrobusverbindung von Sachsenhausen nach Fechenheim über Oberrad, die Offenbacher Innenstadt und den Hafen (ggf. mit Anschluss Offenbach Hauptbahnhof und/oder Frankfurt Ostbahnhof/EZB)

 

Der Nahverkehrsplan 2018 – 2022 steht in Offenbach zur Verabschiedung an. Eine stärkere Vernetzung und Verdichtung des Öffentlichen Personennahverkehrs zwischen Offenbach und Frankfurt wird, wenn er schienengebunden ist, hohe Millionenbeträge kosten. Das bedingt eine sorgfältige Bewertung der Varianten: Die Prioritäten müssen gut sein für die Region, insbesondere aber für den Wirtschafts- und Wohnstandort Offenbach. In diese Betrachtungen sind die aktuellen technischen Entwicklungen vom autonomen Fahren bis hin zur E-Mobilität einzubeziehen und die Zeitschiene.

 

Die rasante Entwicklung braucht schnelle Lösungen. Investitionen in schienengebundene Transportmittel haben eine Bau- und Planungszeit von mehreren Jahren. Deshalb müssen zumindest auch Übergangslösungen in die Planungen einbezogen werden. Insbesondere die letztgenannte Busverbindung ist eine attraktive, schnell realisierbare Option, mit der auch in der Praxis getestet werden kann, ob eine solche Strecke auch eine Option für eine Straßenbahninvestition sein kann. Diese Variante ist aus Sicht der antragstellenden Fraktion besser als ausschließlich auf eine Verlängerung der Linie 16 zu setzen und zu warten.

 

Dennoch bedarf eine endgültige Entscheidung  der Abwägung der genannten Varianten, hinterlegt mit Kostendaten und Zeitschienen.

 

Nicht zuletzt hängen konkrete Maßnahmen, gerade bei engen Etats wie in Offenbach und einem ambitionierten Programm zur Aufwertung der Offenbacher Schulen, von Zuschüssen aus Bundes- und Landeskassen ab.