Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt

Offenbach am Main

2016 - 2021

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2016-21/DS-II(A)0022                                                                   Ausgegeben am 08.11.2017

                                                                                                          Eing. Dat. 05.10.2017

 

 

 

 

Videoüberwachung auf öffentlichen Wegen und Plätzen

hier: Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 01.10.2009,

2006-11/DS-I(A)0495

dazu: Magistratsvorlage Nr. 2017-334 (Dez. II, Amt 32) vom 04.10.2017

 

 

Die Stadtverordnetenversammlung hat folgenden Beschluss gefasst:

 

2006-11/DS I(A)0495

 

„[…] Die Wirksamkeit und Notwendigkeit aller von der Stadt Offenbach am Main nach § 14 Abs. 4 HSOG betriebenen Videoanlagen ist in jährlichen Rhythmus zu überprüfen. Das Ergebnis ist der Stadtverordnetenversammlung zu berichten.“

 

 

Hierzu berichtet der Magistrat wie folgt:

 

Die Verfolgung und Ahndung von Straftaten liegt in der Zuständigkeit der Polizei, sodass der Magistrat zur Beantwortung der Anfrage das Polizeipräsidium Südost-hessen um eine Einschätzung bat. Die zwischenzeitlich erfolgte Antwort wird hier wörtlich zitiert, die im Text vorhandenen Tabellen befinden sich in der Anlage:

 

„Zitat Anfang“

 

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Schneider,

sehr geehrte Damen und Herren,

 

zu Ihrer Anfrage über die Notwendigkeit und Wirksamkeit der durch die Stadt Offenbach betriebenen Videoüberwachungsanlagen nehme ich wie folgt Stellung:

 

 

1. Videoüberwachung Europaplatz

 

1.1 Allgemeine Angaben

 

Ausgelöst von zahlreichen Sachbeschädigungen und Vandalismusschäden im Bereich des Europaplatzes im Stadtteil Lauterborn beschäftigte sich die Stadt Offenbach seit Anfang 2007 mit der Einrichtung einer Videoüberwachung an dieser Örtlichkeit. Nach Prüfung und Bestätigung der rechtlichen Voraussetzungen wurden die Planungen Ende 2009 abgeschlossen und die Videoüberwachungsanlage

am 01.04.2010 in Betrieb genommen. Die Überwachung erfolgt mittels zweier horizontal und vertikal schwenkbarer DOME-Kameras. Der Aufzeichnungsserver steht in der Stadtwache des Ordnungsamtes, wo die Daten maximal 7 Tage gespeichert werden. Eine Aufschaltmöglichkeit für die Polizei besteht bei der Einsatzzentrale im Polizeipräsidium.

 

 

1.2 Deliktsaufkommen

 

Die statistischen Daten zur Kriminalitätsbelastung des videoüberwachten Bereichs wurden aufgrund vorgegebener Erfassungsmodalitäten durch eine sogenannte „Discoverer-Recherche“ erhoben und sind insofern nicht mit den öffentlich zugänglichen Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) vergleichbar.

 

Die Auswertung bezieht sich auf den Europaplatz sowie die angrenzenden Richard-Wagner-Str., Hugo-Wolf-Straße und Kurt-Tucholsky-Str.

 

Die Fallzahlenentwicklung stellt sich wie folgt dar:

 

Delikt

 

Jahr

Anzahl

 

2011

Anzahl

 

2012

Anzahl

 

2013

Anzahl

 

2014

Anzahl

 

2015

Anzahl

 

2016

Gesamt Delikte

 

Raub

  0

  1

  7

  2

  2

  1

  13

Gewalt-

Delikte

24,40% Anteil an Gesamt

Körperverletzung

18

14

  9

16

  15

  4

  76

Bedrohung / Nötigung

  2

  2

  4

  6

  7

  2

  23

Beleidigung

  1

  2

  1

  2

  3

  0

    9

Einfacher Diebstahl

11

16

21

11

14

14

  87

Eigentums-

Delikte

59,27% Anteil an Gesamt

Schwerer Diebstahl

24

  8

20

14

  9

10

  85

Unterschlagung

  2

  2

  4

  1

  3

  2

  14

Sachbeschädigung

16

31

22

19

  9

11

108

Verstöße gg. das Betäubungsmittelgesetz

  5

  5

  7

19

24

  7

  67

Kontroll-

Delikte

16,33 % Anteil an Gesamt

Verstoß gegen das Ausländergesetz

  3

  0

  0

  3

  4

  4

  14

GESAMT

 82

 81

 95

 93

 90

 55

 496

 

 

Bedingt durch eine genauere Betrachtung der Örtlichkeit bei der Fallzahlenerhebung und damit verbundenen Einschränkung auf den öffentlichen Raum, ist ein signifikanter Fallzahlenrückgang festzustellen. Dieser macht sich hier in der Gesamtfallzahl von 90 im Jahr 2015 auf 55 Fälle im Jahr 2016 bemerkbar. Dies resultiert aus dem Rückgang der Fallzahlen im Bereich der Kontrolldelikte

um 17 Fälle (Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz) und einer Reduzierung bei den Gewaltdelikten um 11 Fälle (Körperverletzungen).

 

Im Langzeitvergleich ab 2011 ist in den Jahren 2013/ 2014/ 2015 ein Fallzahlenanstieg im Bereich von 90 Gesamtstraftaten erkennbar. Im Vergleich des Jahres 2016 mit dem Vorjahr ergeben sich bei der Detailauswertung Rückgänge beim Raub (- 1 Fall), Körperverletzung (-11 Fälle) und beim Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz (-17 Fälle) und Zuwächse bei dem schweren Diebstahl (+1 Delikt) sowie Sachbeschädigung (+2 Fälle).

 

Der Anteil der Eigentumsdelikte am Gesamtfallaufkommen lag im Vergleichszeitraum von 2011- 2016 bei fast 60 Prozent.

 

 

 

1.3 Bewertung/Empfehlung

 

Der Europaplatz und die unmittelbar angrenzenden Straßen (Hugo-Wolf-Str., Richard-Wagner-Str., Kurt-Tucholsky-Str.) galten vor der Einführung der Videoüberwachungsanlage als Örtlichkeit mit einer erhöhten Präsenz polizeilichen Problemklientels mit den bekannten Begleiterscheinungen der Kleinkriminalität wie Diebstählen, Sachbeschädigungen und Vandalismusschäden mit nicht unerheblicher Beeinträchtigung der Lebensqualität der dortigen Anwohner.

 

Die zum 01.04.2010 in Betrieb genommene Videoüberwachungsanlage ist dabei Bestandteil eines umfassenden Maßnahmenplans der Stadt Offenbach mit dem Ziel einer nachhaltigen Verbesserung der Lebensqualität, der Sauberkeit und Sicherheit in dem Quartier. So wurde u. a. auch am 05.05.2010 in der Richard-Wagner-Straße 95 das dritte Stadtteilbüro der Stadt Offenbach eingerichtet.

Die Gemeinnützige Baugesellschaft Offenbach (GBO) hat sich mit dem Verein „Besser leben im Lauterborn“ und den Hauseigentümern für die Ausleuchtung der Lauterbornpassage stark gemacht und im August 2012 die entsprechende Straßenbeleuchtung des stark frequentierten Durchgangs von der Hugo-Wolff-Straße zur Richard-Wagner-Straße in Betrieb genommen.

 

Die Einrichtung der Videoüberwachungsanlage „Europaplatz“ führte zu einer Beruhigung des überwachten Bereiches und zu einer Reduzierung des dort zuvor aufenthältigen Problemklientels. Insofern stellt die Videoüberwachung eine flankierende Maßnahme zu den sonstigen repressiven und präventiven Bemühungen der Polizei und der Stadt Offenbach dar, die vor dem Hintergrund des nach wie vor bestehenden Kriminalitätsbrennpunktes weiterhin aufrecht erhalten werden sollte.

 

 

2. Hermann-Steinhäuser-Str. 1

 

2.1 Allgemeine Angaben

 

Die Videoüberwachungsanlage „Hermann-Steinhäuser-Straße“ wurde im September 2007 durch die Stadt Offenbach eingerichtet und ging ab Oktober in den Echtbetrieb. Es handelt sich um eine Kamera. Die Überwachung erfolgt in der Stadtwache Offenbach (OA OF). Eine Aufschaltmöglichkeit für die Polizei besteht beim 1. Polizeirevier und bei der Einsatzzentrale des PP SOH.

 

 

2.2 Deliktsaufkommen

 

Die statistischen Daten zur Kriminalitätsbelastung des videoüberwachten Bereichs wurden aufgrund vorgegebener Erfassungsmodalitäten durch eine sogenannte „Discoverer-Recherche“ erhoben und sind insofern nicht mit den öffentlich zugänglichen Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) vergleichbar. Die Auswertung umfasst die Hermann-Steinhäuser-Str., die Ziegelstraße und die Karlstraße (Bereich zwischen Schöne Aussicht und Berliner Straße).

 

Die Fallzahlenentwicklung stellt sich wie folgt dar:

Delikt

Jahr

Anzahl

 

2011

Anzahl

 

2012

Anzahl

 

2013

Anzahl

 

2014

Anzahl

 

2015

Anzahl

 

2016

Gesamt

Delikte

 

Raub

  2

  3

  1

  5

  1

  1

  13

Gewalt-

Delikte

29,65 % Anteil an Gesamt

Körperverletzung

  8

16

13

12

14

15

  78

Bedrohung / Nötigung

  4

10

  5

  4

..2

  0

  25

Beleidigung

  3

  0

  2

  1

  4

  0

  10

Einfacher Diebstahl

16

12

11

  6

  5

..4

  54

Eigentums-Delikte

52,23 % Anteil an Gesamt

Schwerer Diebstahl

11

15

12

12

13

11

  74

Unterschlagung

  1

  1

  3

  4

  2

  4

  15

Sachbeschädigung

13

16

  6

15

18

11

  79

Verstöße gg. das Betäubungsmittel-gesetz

10

12

  9

15

..8

  7

  61

Kontroll-

Delikte

18,12 % Anteil an Gesamt

Verstoß gegen das Ausländergesetz

  4

  7

  1

  2

  0

  2

  16

GESAMT

  72

  92

  63

  76

  67

  55

  425

 

 

Im Langzeitvergleich von 2011 bis 2016 konnten die Fallzahlen von 72 im Jahr 2011 auf 55 im Jahr 2016 gesenkt werden. Im Vergleich des Jahres 2016 mit dem Vorjahr ist ein weiterer Rückgang um 12 Delikte zu verzeichnen. In der Gesamtbetrachtung aller Deliktsformen sind die Fallzahlen mit einer Differenz von 1-2 Fällen relativ konstant geblieben.

 

2.3 Bewertung/Empfehlung

 

Der Bereich der Hermann-Steinhäuser-Str. und der einmündenden Karlstraße galt vor der Einführung der Videoüberwachungsanlage als Örtlichkeit mit einer erhöhten Präsenz der innerstädtischen Dealer-Szene mit den bekannten Begleiterscheinungen der Beschaffungskriminalität und Beeinträchtigung der Lebensqualität der dortigen Anwohner.

Zum Teil wurde hier auch Klientel angetroffen, welches sich zuvor im Bereich Marktplatz aufhielt und durch die dortige Videoüberwachung nicht mehr unbemerkt ihrem Treiben nachgehen konnte.

Da nunmehr auch die Hermann-Steinhäuser-Str. mittels einer Videokamera überwacht wird, hat sich die Szene zum Teil in den Bereich der Schönen Aussicht und des Maindamms verlagert. Mittlerweile ist der Bereich um die Hermann-Steinhäuser-Str. ein Aufenthaltsgebiet für Zuwanderer aus Südosteuropa, die sich zunehmend des günstigen Wohnraums annehmen und dort in größeren Gruppen aufhalten.

Diese Zuwanderung in Verbindung mit dem zu beobachtenden Kulturkonflikt und dem nachhaltigen Konsum von Alkohol könnte ein Erklärungsansatz für die immer noch recht hohen Fallzahlen sein. Eine Reduzierung der Fallzahlen auf nahezu Null wäre angesichts der vorherrschenden Infrastruktur des überwachten Bereichs illusorisch. Um die Kriminalitätsbelastung nicht weiter ansteigen zu lassen, wird auch hier die Beibehaltung der Videoüberwachung befürwortet.

 

Im Jahr 2016 wurde ein Fall des Fahrraddiebstahls im videoüberwachten Bereich der Hermann- Steinhäuser-Straße bekannt. Die Täter waren jedoch nur von hinten erkennbar, weshalb keine Tataufklärung anhand der Videoüberwachung erfolgte.

 

3. Videoüberwachung S-Bahnhof Waldhof

 

3.1 Allgemeine Angaben

 

Vor dem Hintergrund zunehmender Vandalismusschäden und zu beobachtender Gewaltdelikte im Bereich der S-Bahn-Stationen in Stadt und Kreis Offenbach gründete sich im Frühjahr 2006 auf Initiative der Stadt Dietzenbach eine Projektgruppe unter Beteiligung der Städte Dietzenbach, Heusenstamm, Obertshausen und Offenbach sowie des RMV zur Einrichtung von Videoüberwachungsanlagen an sieben S-Bahnstationen. Der Projektgruppe gehörten in beratender Funktion das PP SOH und das HLKA an. Die VÜ-Anlage am S-Bahnhof in OF-Waldhof wurde auf der Basis des § 14 Abs. 4 HSOG durch die Stadt Offenbach am 15.06.2010 in Betrieb genommen und umfasst 1 Kamera. Der Aufzeichnungsserver steht bei der Stadtwache im Ordnungsamt der Stadt Offenbach. Die Speicherung der Daten ist auf max. 7 Tage festgelegt. Es besteht eine Netzverbindung zur Aufschaltung der VÜ auf der Wache des örtlich zuständigen 1. Polizeireviers zur unmittelbaren polizeilichen Intervention im aktuellen Ereignisfall.

 

3.2 Deliktsaufkommen

 

Die statistischen Daten zur Kriminalitätsbelastung des videoüberwachten Bereichs wurden aufgrund vorgegebener Erfassungsmodalitäten durch eine sogenannte „Discoverer-Recherche“ erhoben und sind insofern nicht mit den öffentlich zugänglichen Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) vergleichbar. Die statistische Auswertung umfasst den Bereich der S-Bahnstation Waldhof (Bahnhofsplatz incl. Bahnanlage) sowie Teile der vorbeiführenden Seligenstädter Straße.

 

Die Fallzahlenentwicklung stellt sich wie folgt dar:

 

Delikt

Jahr

Anzahl

2011

Anzahl

2012

Anzahl

2013

Anzahl

2014

Anzahl

2015

Anzahl

2016

Gesamt

Delikte

 

Raub

3

0

4

1

1

0

  9

Gewalt-delikte

31,51 % Anteil an Gesamt

Körperverletzung

4

3

5

6

2

4

24

Bedrohung / Nötigung

1

2

0

2

2

0

  7

Beleidigung

2

0

2

2

0

0

  6

Einfacher Diebstahl

2

3

4

7

2

1

19

Eigentums-delikte

48,63 % Anteil an Gesamt

Schwerer Diebstahl

4

6

4

2

5

5

26

Unterschlagung

1

0

1

2

0

0

  4

Sachbeschädigung

3

4

3

5

4

3

22

Verstöße gg. das Betäubungsmittelgesetz

0

2

5

5

5

4

21

Kontroll-delikte

19,68 % Anteil an Gesamt

Verstoß gegen das Ausländergesetz

1

0

2

0

4

1

  8

GESAMT

21

20

30

32

25

18

  146

 

 

Im Vergleich zum Jahr 2014 ist festzustellen, dass ein Rückgang der Fallzahlen von 32 auf 18 stattgefunden hat. Hierzu muss angemerkt werden, dass die Videoüberwachung im Rahmen des Stadionumbaus des Fußballstadions am Bieberer Berg ab März 2011 außer Betrieb genommen werden musste. Die Stadt Offenbach plante seinerzeit unter Beteiligung der Bundesnetzagentur zur erneuten Inbetriebnahme eine neue Richtfunkstrecke einzurichten. Planungsziel der erneuten Inbetriebnahme war Juni/ Juli 2012. Wann die Videoüberwachung tatsächlich wieder in Betrieb genommen wurde, ist hier nicht bekannt.

 

Im Vergleich des Jahres 2016 mit dem Vorjahr waren in allen Deliktsbereichen Rückgänge zu verzeichnen bis auf die Körperverletzung mit (+2 Fällen) und die Fallzahlen beim schweren Diebstahl mit 5 Fällen sind gleich geblieben.

 

 

3.3 Bewertung/Empfehlung

 

Neben der statistischen Erhebung der Fallzahlen, die die Basis für die Deklaration einer Örtlichkeit als Kriminalitätsbrennpunkt darstellen, bieten gerade Bahnhöfe aufgrund ihres hohen Personenaufkommens, der kurzen Verweildauer der Bahnreisenden, der vorherrschenden Anonymität, des stressbezogenen Konfliktpotentials, angrenzender P&R-Plätze, mannigfaltige Tatgelegenheiten auf dem Sektor der Eigentums- und Gewaltkriminalität (Stichwort: S-Bahn-Schläger). Darüber hinaus nutzen Straftäter die S-Bahnen zur Erhöhung ihrer Mobilität, um sich im Schutze der Mitreisenden möglichst unerkannt von den Tatorten weg zu bewegen. Aus kriminalistischer - kriminologischer Erfahrung stellen die Bahnhöfe Örtlichkeiten dar, an denen sich Straftäter verbergen oder Personen Straftaten verabreden, vorbereiten oder begehen, so dass auch wiederkehrend mit Straftaten in diesem Bereich zu rechnen ist. Hinzu kommt, dass der S-Bahnhof-Waldhof anlässlich der Fußballspiele des OFC in der Zu- und Ablaufphase frequentiert wird und unter Alkohol- bzw. Drogeneinfluss stehenden Bahnbenutzern entsprechende Tatgelegenheiten bietet.

 

Im Ergebnis sollte die Videoüberwachung auch zukünftig aufrechterhalten werden.

 

 

4. Videoüberwachung Marktplatz

 

4.1 Allgemeine Angaben

 

Vor dem Hintergrund des sich über Jahre als krimineller Brennpunkt etablierten Marktplatzes mit S-Bahn-Station in Offenbach/M. wurde nach ersten Überlegungen zur Einrichtung einer Videoüberwachung im Jahre 2000 diese zum 01.07.2004 in Betrieb genommen. Die VÜ-Anlage umfasst drei Kameras, die zur Überwachung der Bereiche Berliner Str., Marktplatz (incl. S-Bahn-Station), Salzgässchen, Schlossstr., eingesetzt werden können. Die VÜ-Anlage wird durch die Stadt OF betrieben. Die Daten werden mit einer maximalen Speicherungsdauer von 7 Tagen auf einem Server der Stadt aufgezeichnet. Überwachungsmonitore für die Aufschaltung durch die Polizei stehen auf der Wache des 1. Reviers und in der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums.

 

4.2 Deliktsaufkommen

 

Die statistischen Daten zur Kriminalitätsbelastung des videoüberwachten Bereichs wurden aufgrund vorgegebener Erfassungsmodalitäten durch eine sogenannte „Discoverer-Recherche“ erhoben und sind insofern nicht mit den öffentlich zugänglichen Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) vergleichbar.

Fallzahlen der Bundespolizei wurden nicht in der obigen Statistik erfasst, da der unterirdische S-Bahnhof Markplatz von der Videokamera nicht eingesehen werden kann.

 

Die Fallzahlenentwicklung stellt sich wie folgt dar:

 

Delikt

 

Jahr

Anzahl

 

2011

Anzahl

 

2012

Anzahl

 

2013

Anzahl

 

2014

Anzahl

 

2015

Anzahl

 

2016

Gesamt Delikte

 

Raub

 25

  16

  13

  12

    3

    8

  77

Gewalt-

Delikte

24,71% Anteil an Gesamt

Körperverletzung

 35

  41

  27

  37

  28

  23

191

Bedrohung / Nötigung

   6

    8

    4

    3

    3

    6

  30

Beleidigung

   4

    9

    8

    8

    5

    5

  39

Einfacher Diebstahl

 48

  54

  61

  35

  45

  40

283

Eigentums-

Delikte

50,44% Anteil an Gesamt

Schwerer Diebstahl

 50

  28

  33

  41

  27

 .32

211

Unterschlagung

 13

  12

  14

  24

  19

  17

  99

Sachbeschädigung

 24 

  22

  13

  11

  15

  10

  95

Verstöße gg. das Betäubungsmittelgesetz

 46

  17

  23

  38

  40

  41

205

Kontroll-

Delikte

24,85 % Anteil an Gesamt

Verstoß gegen das Ausländergesetz

 20

  28

  14

  19

  30

  23

134

GESAMT

271

 235

 210

 228

 215

 205

1.364

 

 

Im Langzeitvergleich ab 2011 ist bis auf einen Anstieg im Jahr 2014 ein stetiger Rückgang der Fallzahlen zu verzeichnen. Dies ist erfreulicherweise trotz der recht hohen Anzahl an Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz zu konstatieren, die aus verstärkten Kontrollmaßnahmen an der Örtlichkeit herrühren. Die Fallzahlen im Bereich der Diebstahlsdelikte bleiben relativ konstant. Darin enthalten sind jährlich ca. 30 Fahrraddiebstähle.

 

4.3 Bewertung/Empfehlung

 

Im Langzeitvergleich sind ein nachhaltiger Rückgang und eine Beruhigung des Kriminalitätsbrennpunktes zu verzeichnen.

 

Die Kriminalitätshäufigkeit in Verbindung mit den Erkenntnissen aus den Kontrollmaßnahmen lassen den Marktplatz mit seiner S-Bahn-Station und den unmittelbar angesiedelten Geschäften und der Gastronomie aber nach wie vor als Ort mit einer günstigen Tatgelegenheitsstruktur erscheinen.

 

Dass die Videoüberwachung am Marktplatz aber auch zur Aufklärung von teils schwerwiegenden Straftaten beitragen kann, zeigen die nachfolgenden Beispiele aus den Jahren 2015 und 2016 auf: Im Zusammenhang mit einer gefährlichen Körperverletzung am Marktplatz konnten mit Hilfe der VÜ der wahre Verlauf der Situation und die brutale Vorgehensweise aufgezeichnet und den beiden Festgenommenen nachgewiesen werden. In einem weiteren Fall erfolgte nach dem Hinweis eines Zeugen auf einen nächtlichen Einbruch in ein Restaurant am Marktplatz nicht nur eine sofortige Fahndung, sondern auch eine zügige Einbeziehung der entsprechenden Videoaufzeichnung. Dadurch war es möglich, mehrere Personen im Umfeld des Tatortes zu erkennen und die beiden mutmaßlichen Täter, die im Rahmen der Fahndung festgenommen werden konnten, zu identifizieren. Bei vier weiteren Sachverhalten (2x Fahrraddiebstahl, lx Körperverletzung und 2x Raub) konnten der Tathergang nachvollzogen und die Täter erkannt werden. In vier Fällen des Fahrraddiebstahls im videoüberwachten Bereich des Marktplatzes, konnte allerdings nur durch die Videoüberwachung keine Straftat aufgeklärt werden. Entweder war die Kamera auf einen anderen Bereich eingestellt oder die Aufzeichnungen waren aufgrund der veralteten Videoüberwachungsanlage zu schlecht. Aufgrund der Technik kommt es auch zu regelmäßigen Ausfällen einzelner Kameras. Aufgezeichnete Personen sind nur umrisshaft zu erkennen, da die Aufzeichnungen zu verpixelt sind. Durch die schlechte Bildqualität (wirkt verschwommen und nebelig), kommt es auch beim Zoomen zu Unschärfe. Ein Wiedererkennen von Personen (Gesicht) ist hier nicht möglich. Die Kameraeinstellungen lassen jeweils nur einen eingeschränkten Blickwinkel zu, sodass nicht generell flächendeckend beobachtet und aufgezeichnet werden kann. Durch eine unzureichende Wiederholungsrate der Bildfolge beim Betrachten (etwa alle 3 Sekunden 1 Bild), fehlen u.U. wichtige Bildsequenzen.

 

Der Marktplatz ist mit seiner S-Bahn-Anbindung und des damit einhergehenden Personenaufkommens mit seinen mannigfaltigen Tatgelegenheiten als dauerhafter Kriminalitätsbrennpunkt anzusehen, so dass auch hier die Beibehaltung der Videoüberwachung empfohlen wird.

 

Wie mit den Verantwortlichen der Stadt Offenbach bereits erörtert, stehen für den Ausbau der Videoüberwachung seitens des Landes 1,3 Millionen Euro Fördermittel zur Verfügung. Hierbei ist eine Beteiligung des Landes Hessen in Höhe von zwei Dritteln der Anschaffungskosten möglich. Die Mitarbeiter des Stabsbereichs Prävention stehen Ihnen gerne beratend zur Verfügung. Abschließend darf ich mich für die effektive und vertrauensvolle Zusammenarbeit, die sich nicht nur auf die gemeinsame Durchführung der Videoüberwachung beschränkt, im Sinne der Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger herzlich bedanken.

 

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

(König)

Leitender Polizeidirektor

 

„Zitat Ende“

 

 

Auch aus der Sicht des Offenbacher Ordnungsamtes wirken sich die im Stadtgebiet installierten Kameras positiv auf das im Einwirkungsbereich befindliche Umfeld aus. So sind negative Erscheinungen wie Lärmbelästigungen bis spät in die Nacht, große Menschenansammlungen mit teils bedrohlichem Charakter in den kamera-überwachten Bereichen und auch illegale Müllablagerungen deutlich zurück-

gegangen.