Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt

Offenbach am Main

2016 - 2021

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2016-21/DS-II(A)0047                                                                   Ausgegeben am 23.01.2019

                                                                                                          Eing. Dat. 17.01.2019

 

 

 

City Trees

hier: Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 16.08.2018,

2016-21/DS-I(A)0457/1

dazu: Magistratsvorlage Nr. 2019-017 (Dez. IV, Amt 33) vom 17.01.2019

 

 

Die Stadtverordnetenversammlung hat am 16.08.2018 folgenden Beschluss gefasst:

 

Der Magistrat wird beauftragt,

 

vergleichend die Aufstellung sogenannter City Trees und Grüner Zimmer unter den Aspekten

 

a. Reduktion von Feinstaub und CO2,

 

b. Verbesserung des städtischen Klimas und

 

c. Kosten und Folgekosten für Betrieb und Pflege zu prüfen und den Stadtverordneten anhand der Prüfung zu berichten, welche der beiden Varianten der Magistrat empfiehlt.

 

 

Hierzu berichtet der Magistrat wie folgt:

 

Zu a.)

Eine messbare lufthygienische und Treibhausgas reduzierende Wirkung ist bisher weder für den City-Tree noch für das grüne (mobile) Zimmer nachgewiesen.

 

Der Hersteller des City-Tree wirbt mit einem konkret benannten Feinstaub- und CO2-Reduktionspotential und damit, dass ein „City Tree“ die Umweltleistung von bis zu 275 urbanen Baumen erbrächte (vgl. dazu Anlage 1, Schreiben der Green City Solutions GmH vom 23. 09. 2018 mit Angebot und Imagebroschüre). Die durchschnittliche Feinstaub- Filterleistung soll laut Herstellerangaben bei 2-5 % liegen oder zur dauerhaften Bindung bei durchgehender Ventilation bis zu 25 %, bzw. bis zu 12,2 kg pro Jahr an ausgewählten Standorten.

Die Bindung feiner Partikel beinhalte standortabhängige Mengen Ruß, die für CO2-Äquivalenzrechnungen herangezogen werden könnten.

 

Die Stadt München als auch die Stadt Neuss haben sich intensiv mit den Umweltleistungen insbesondere der City-Trees beschäftigt. Der Magistrat der Stadt Offenbach schließt sich aufgrund der Plausibilität der vorliegenden Ergebnisse und mangels anderslautender Nachweise vollinhaltlich den fachlichen Ergebnissen dieser Untersuchungen an.

 

Die Stadt München kommt in ihrer ausführlichen Ausarbeitung (siehe Anlage 2, Beschluss des Umweltausschusses der Stadt München vom 13. 03. 2018, Sitzungsvorlage Nr. 14-20 / V 10509  „Urbane Vegetation und Begrünungsmaßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität“ des Referats für Gesundheit und Umwelt) zu folgendem Ergebnis:

 

„Die vom Hersteller für den „City Tree“ angegebenen Umweltleistungen (Feinstaubfilter, C02-Aufnahme, Kühleffekt, NOx-Filter) sind zum derzeitigen Stand großteils theoretisch hergeleitet und über grobe Schatzverfahren ermittelt. Es liegen noch keine Belege aus Praxistests vor. Nach einem Abgleich mit Vergleichs- oder Vorläuferstudien erscheinen die Werte zur Umweltwirkung der „City Trees“ insgesamt aber wenig plausibel hoch angesetzt.

Da der Hersteller derzeit noch keine Belege aus Praxistests liefern kann, die die gemachten Angaben stützen, ist derzeit wohl eher davon auszugehen, dass die Umweltleistungen pro „City Tree“ etwa in der Größenordnung von zwei herkömmlichen Stadtbäumen liegen könnten.“ (Seite 19).

„Da insgesamt wenig Potenzial gesehen wird, die Luftqualität nennenswert zu beeinflussen, gleichzeitig aber verhältnismäßig hohe Anschaffungskosten und erhebliche praktische Unsicherheiten und Einschränkungen bestehen, ist aus lufthygienischen Aspekten eine Aufstellung der „City Trees“ nicht zu begründen. Die Potenziale der „City Trees“ liegen eher im Bereich der Stadtgestaltung und Bewusstseinsbildung.“ (Seite 4).

 

Zu vergleichbaren Ergebnissen kommt die Stadt Neuss (siehe Anlage 3, Mitteilung der Verwaltung in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Grünflächen am 04.09.2018).

 

Der Hersteller des grünen mobilen Zimmers veröffentlicht diesbezüglich keine Zahlen (siehe Anlage 4, Schreiben der Fa. Helix Pflanzensysteme GmbH vom 01.10. 2018 mit Angebot und Produktinformationen).

 

Zu b.)

Eine messbare klimaverbessernde Wirkung ist bisher weder für den City-Tree noch für das grüne (mobile) Zimmer nachgewiesen.

 

Die Stadt Neuss stellt fest, „…dass Bäume im urbanen Raum Schatten spenden, die Luft kühlen und befeuchten sowie Luftströmungen abbremsen bzw. Verwirbelungen hervorrufen. Als Schattenspender sind City Trees nur sehr bedingt Ersatz, weil sie lediglich an der sonnenabgewandten Seite Schatten spenden können. Die Kühlung und Befeuchtung der Luft hangt bei den City Trees ausschließlich von ihrer Bewässerung ab, während Bäume Wasser auch noch längere Zeit aus dem Boden ziehen können. Positiv bei den City Trees ist im Vergleich zu Straßenbäumen, dass sie, wenn richtig aufgestellt, die Durchlüftung von Straßen und Plätzen nicht beeinträchtigen und damit auch nicht zur Erhöhung von Feinstaub- oder Schadstoffkonzentrationen in bodennahen Luftschichten beitragen können. Andererseits strömt die belastete Luft schneller an den City Trees vorbei, so dass die Filterzeit geringer ist als bei der Durchströmung von Baumkronen, in denen die Luft länger verweilt. Ob die kurze Zeit der Durchströmung überhaupt ausreichend für eine Filterleistung der Moose ist, bedürfte einer wissenschaftlichen Untersuchung.“ (Anlage 3, Seite 2)

 

Der Hersteller des grünen mobilen Zimmers veröffentlicht diesbezüglich keine Zahlen (siehe Anlage 4, Schreiben der Fa. Helix Pflanzensysteme GmbH vom 01.10. 2018 mit Angebot und Produktinformationen).

 

Aus klimatischer Sicht wäre ein mobiles Zimmer wegen der etwas größeren Schattenwirkung und durch die größere Grünfläche einem City-Tree vorzuziehen. Aber auch hier gilt, dass durch die begrenzten Maße (4,80m x 2,40m x 2,80m (LxBxH)) eine klimatische Verbesserung des umgebenen Mikroklimas durch die relativ geringe Schattenwirkung und Verdunstungsleistung allenfalls nur sehr gering stattfinden wird.

 

Zu c.)

Gemäß vorliegenden Angeboten sind die Anschaffungskosten für einen City-Tree mit rund 65.000,- Euro und ein grünes mobiles Zimmer mit rund 69.000,- Euro sehr hoch. Der Hersteller des City-Tree gibt außerdem eine Mindestabnahmemenge von drei Exemplaren bei einer Bestellung ab 2019 vor. Weiterhin entstehen für beide Produkte pro Exemplar Folgekosten für Pflege und Wartung von ca. 3.000 Euro pro Jahr bzw. beim City-Tree zusätzlich weitere Kosten für Lizenzen, die jährlich nochmals mindestens ca. 1.800 Euro brutto betragen.

 

Das Pflanzen und die Pflege von Bäumen ist erheblich günstiger: Laut Auskunft des Referats Stadtgrün betragen die Kosten für die Anschaffung, die Pflanzung und eine dreijährige Anwuchspflege eines Stadtbaumes rund 1.500,- Euro brutto. Im Anschluss entstehen im Jugendstadium des Baumes außer evtl. erforderlichen  Bewässerungen in extrem heißen Sommern und zu späteren Zeiten durch Maßnahmen der Verkehrssicherung) nur überschaubare und deutlich geringere Kosten.

 

Bäume verbessern durch ihre schattenspendende Wirkung die Aufenthaltsqualität an überwärmten Standorten und sollten einem City-Tree oder einem Grünen Zimmer vorgezogen werden.

 

In Anlehnung an die zur Prüfung stehenden City-Trees und Grünen Zimmer könnte der Magistrat prüfen, in wie weit eine Begrünung von Stadtmobiliar (Buswartehäuschen, überdachte Flächen oder andere bauliche Objekte im Straßenraum) möglich ist. Buswartehallen böten sich zur Begrünung grundsätzlich an, weil bereits Sitzbänke vorhanden sind und die Überdachung als Rankhilfe für Pflanzen genutzt werden könnte.

 

Fazit:

Nach ausführlichem Vergleich der Reduktionspotentiale für Feinstaub und CO2, der klimaverbessernden Wirkung, Kosten und Folgekosten für Anschaffung, Pflege und Betrieb, kann nach derzeitigem Kenntnisstand für keines der beiden Systeme (City-Tree und Grünes Zimmer) eine Empfehlung ausgesprochen werden. Stattdessen wird empfohlen, zur Beschattung (soweit Standorte geeignet und vorhanden sind) Stadtbäume zu pflanzen, versiegelte Flächen im überhitzten, bebauten Bereich wo möglich zu entsiegeln und zu begrünen und im Rahmen einer Bestandsaufnahme zunächst auch zu prüfen, ob vorhandenes Stadtmobiliar – insbesondere Buswartehäuschen - begrünt werden können.

Anlagen:

Anlage 1: Schreiben der Green City Solutions GmbH vom 23. 09. 2018 mit Angebot und Produktinformationen

 

Anlage 2: Beschluss des Umweltausschusses der Stadt München vom 13. 03. 2018, Sitzungsvorlage Nr. 14-20 / V 10509  „Urbane Vegetation und Begrünungsmaßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität“ des Referats für Gesundheit und Umwelt

 

Anlage 3: Mitteilung der Stadtverwaltung Neuss „City Trees“ zur Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Grünflächen am 04.09.2018

 

Nichtöffentliche Anlage 4: Schreiben der Fa. Pflanzen Helix Systeme GmbH vom 01. 10. 2018 mit Angebot und Produkt-Informationen

 

 

Hinweis: Die öffentlichen Anlagen sind im PIO (Politisches Informationssystem Offenbach) hinterlegt und können dort eingesehen werden.