Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt

Offenbach am Main

2016 - 2021

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2016-21/DS-II(A)0053                                                                   Ausgegeben am 01.04.2019

                                                                                                          Eing. Dat. 13.03.2019

 

 

Pfandringe an öffentlichen Abfallbehältern

hier: Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 02.03.2017,

2016-21/DS-I(A)0166

dazu Bericht des Magistrats vom 09.08.2017, 2016-21/DS-II(A)0019

dazu: Magistratsvorlage Nr. 2019-087 (Dez II, ESO) vom 13.03.2019

 

 

Der Magistrat wurde von der Stadtverordnetenversammlung beauftragt, zu prüfen und berichten, wie ein System sogenannter „Pfandringe“ an öffentlichen Abfallbehältern in Offenbach eingerichtet werden kann und mit welchen Kosten dies verbunden wäre. Hierzu war ein einjähriger Modellversuch mit zunächst 50 Pfandblumen und -ringen in der Innenstadt, auf dem Maindamm und im Hafengebiet durchzuführen. Nach Abschluss der Testphase berichtet der Magistrat abschließend über die Ergebnisse.

 

 

Hier:   Abschlussbericht:

 

Motivation und Zielbeschreibung

Ein Teil der Pfandflaschen- und Dosen wird nicht in das Pfandsystem zurückgegeben sondern stattdessen im öffentlichen Raum, zum Teil in öffentlichen Papierkörben entsorgt. Dies nutzen Menschen, die sich durch Pfandsammeln ein Zubrot verdienen wollen oder müssen und suchen oft unwürdig im Müll nach diesen Pfandflaschen.

Durch ein System sogenannter „Pfandringe“ und „Pfandblumen“ soll der Einwurf dieser Wertstoffe in Papierkörbe vermieden werden, stattdessen können diese separat und gut sichtbar deponiert werden, so dass ein Durchwühlen der Papierkörbe von Pfandsuchern nicht notwendig ist und vermieden wird. Die Wertstoffe sollen so im Kreislauf erhalten bleiben und die Pfandsucher können Ihr Zubrot würdiger verdienen.

Umsetzung des Modellversuchs:

Das „System der Pfandringe“ besteht aus zwei Varianten: Zum einen handelt es sich um einen Zusatz für öffentliche Mülleimer (Pfandring) und zum anderen um einen Zusatz für Straßenlaternen (Pfandblume). Diese Zusätze dienen jeweils zum Abstellen und Einsammeln von Pfandflaschen.

Im Rahmen des Modellversuchs wurden

-       25 Pfandblumen in der Frankfurter Straße
(von Marktplatz bis Aliceplatz)

-       10 Pfandblumen in der Jean-Weipert-Str. und Hafeninsel
(von Nordring bis Oberer Molenpark)

-       15 Pfandringe auf dem Maindamm
(Höhe Kaiserstraße bis Höhe Friedhofstraße)

im August 2017 geliefert und installiert, als Leistungsbeginn ist der 01.09.2017 zu nennen.

Die Kosten für 1 Jahr setzen sich zusammen aus

-       Anschaffung und Installation :      10.500,- €

-       Bewirtschaftung                              14.000,- €

Durchgeführte Tätigkeiten:

Die Pfandringe wurden teils mehrmals täglich – im Schnitt 9 mal je Woche - im Rahmen der Papierkorbleerung überwacht und Fehlbefüllungen, z.B. Kaffeebecher entnommen. Die Mitarbeiter der Papierkorbleerung sowie die Mitarbeiter des Bereichs Qualitätssicherung beobachteten fortlaufend eine eventuelle Nutzung oder Fehlnutzung der Pfandringe und -blumen. Bei Bedarf wurden die Pfandringe von den Mitarbeitern der Papierkorbtouren händisch gereinigt.

Feststellungen im Versuchszeitraum:

A)        Nutzung der Pfandringe und –blumen:

Im Beobachtungszeitraum von 1 Jahr wurden an nur zwei Tagen Pfandgebinde in den Ringen gesehen – eine leere Pfandflasche am 22.09.17 im Hafenbereich und zwei Pfanddosen am 21.10.2017 in der Fußgängerzone.

Da die durchschnittliche Verweildauer von Pfandgebinden in den Ringen recht kurz sein dürfte, lässt sich hier nur schlecht beurteilen, wie hoch die Akzeptanz des Systems wirklich ist. Allerdings sprechen nur zwei dokumentierte sinnvolle Nutzungen dafür, dass die Pfandringe und -blumen nur relativ selten für das Abstellen von Pfandgebinden genutzt werden.

 

B)        Fehlnutzung der Pfandringe und -blumen:

Von unseren Mitarbeitern wurden regelmäßig To-Go-becher und ab und zu pfandfreie Dosen aus den Halterungen entfernt. Vor allem in der Innenstadt fanden sich vor Gewerbebetrieben, die Kaffee-to-go anbieten, ständig Kaffeebecher in den Ringen.

C)        Vandalismusschäden:

DemoliertVandalismusschäden traten im Versuchszeitraum nur wenige auf. An insgesamt drei Stellen mussten die Pfandsammelsysteme teilweise bzw. ganz ersetzt werden (ausschließlich im Bereich Fußgängerzone). Die Schadensbilder lassen in einem Fall die Verwendung als Kletterhilfe, in den beiden anderen Fällen eine mutwillige Zerstörung vermuten.

D)        Verhalten der Pfandsammelnden:

Die Pfandsammelnden zeigten sich nach unseren Beobachtungen völlig unbeeindruckt von den Pfandringen. Sie durchsuchen nach wie vor konsequent alle Papierkörbe. Hier blieb der erhoffte Erfolg: Das Durchwühlen der Papierkörbe uninteressant und unnötig zu machen, aus.

E)        Veränderung im Entsorgungsverhalten der Bürger,
Vergleich des Modellgebiets mit Pfandringen mit dem sonstigen Bereich:

Die Beobachtungen der Mitarbeiter der Papierkorbleerung zeigen, dass sich die ohnehin geringe Anzahl von Pfandflaschen in den Papierkörben durch das Anbringen der Pfandringe nicht nennenswert verändert hat. Es ist hier kein Unterschied zwischen den beiden Bereichen der Fußgängerzone mit bzw. ohne Pfandblumen festzustellen.

F)        Auswirkungen auf die Stadtsauberkeit:

Auf die Stadtsauberkeit haben die Pfandringe und -blumen nur insofern Auswirkungen, dass die auftretenden Fehlnutzungen das Stadtbild nicht verbessern. Die in anderen Städten beobachteten zusätzlichen Verunreinigungen in den Bereichen rund um die Pfandringe konnten in Offenbach nicht festgestellt werden.

G)        Beräumungsaufwand:

Der durchschnittliche zusätzliche Zeitaufwand für die Beräumung der Pfandringe lässt sich mit wenigen Sekunden je Pfandring beziffern. Dieser Aufwand deckt sich mit unseren Einschätzungen im Vorfeld. Die laufenden Kosten für die Betreuung der momentan vorhandenen 50 Sammelsysteme liegen bei ca. 14.000 € netto im Jahr (für Leerung, Reinigung, Reparatur etc.)

Fazit des Tests:

Die durch die Anbringung von Pfandsammelsystemen erhoffte Unterstützung für die Pfandsammelnden ist nicht erfolgreich. Das oft zitierte „entwürdigende Wühlen im Müll“ lässt sich durch solche Systeme nicht eindämmen und die regelmäßig vorkommenden Fehlbefüllungen der Pfandringe verschlechtern das Erscheinungsbild der Stadt.

Die in Offenbach gewonnen Erkenntnisse zeigen, dass durch die technische Ausgestaltung des Test-Systems, hier der vorrangige Einsatz von Pfandblumen, zumindest einige negative Erfahrungen anderer Städte vermieden werden konnten. Die Grundproblematik solcher Sammelsysteme ist allerdings in vielen Kommunen der Bundesrepublik die gleiche: Die Akzeptanz der Systeme ist vergleichsweise gering, die erhofften Effekte sind nicht nachweisbar bzw. werden sogar widerlegt. Die Papierkörbe werden nach wie vor durchsucht.

Somit steht der Nutzen eines Pfandringsystems in keinem sinnvollen Verhältnis zu dessen finanziellem Aufwand. Das System beeinträchtigt das Stadtbild und das Verhalten der Pfandsammelnden ändert sich nicht. Eine Fortführung der Maßnahme wird nicht empfohlen.