Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt

Offenbach am Main

2016 - 2021

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------

2016-21/DS-I(A)0826                                                         Ausgegeben am 27.08.2020

                                                                                               Eing. Dat. 27.08.2020

 

 

 

 

 

Entwicklung und Neubebauung des Gebietes Strahlenbergerstraße Ost (B-Plan Nr. 645)

Benennung der Planstraße

Antrag Magistratsvorlage Nr. 2020-362 (Dez. IV, Amt 62) vom 26.08.2020

 

 

Der Magistrat beantragt, dass die Stadtverordnetenversammlung wie folgt beschließt:

 

1.    Die im Geltungsbereich des Bebauungsplans Nr. 645 „Strahlenbergerstraße Ost“ geplante Straße „Planstraße 5“ (Anlage 1) erhält die Bezeichnung:

 

Helene-Rothschild-Straße         (840)                   Straße.

 

 

Begründung:

 

Zu 1.

 

Das Gebiet der ehemaligen KWU wird durch den B-Plan 645 neu überplant.

Für die Durchführung des Bebauungsplanverfahrens erweist es sich als sinnvoll, bereits für den Entwurf des B-Plans zum Satzungsbeschluss die neue Straßenbenennung zu verwenden, um eindeutige Aussagen im weiteren Verfahrensablauf treffen zu können.

Im Zuge der Realisierung des Bebauungsplanes 645 ist es zur eindeutigen Zuordnung der zukünftigen Baugrundstücke und zur Gewährleistung der Ordnung im Stadtgebiet notwendig, eine Straßenbenennung der neuen Erschließungsstraße („Planstraße 5“) vorzunehmen.

 

Die Auswahl des Straßennamens für die neue Erschließungsstraße ist in Abstimmung mit der AG Straßenbenennung erfolgt. Die AG Straßenbenennung beschloss in der Sitzung vom 02.07.2020 den Vorschlag „Helene-Rothschild-Straße“.

 

Der Straßenname „Helene-Rothschild-Straße“ greift die örtliche Prägung des Kaiserlei-Gebiets als Standort zahlreicher Unternehmen auf.

 

Helene Rothschild (25.06.1855-26.06.1922)

Helene Rothschild entstammt einer mittelständischen jüdischen Fabrikantenfamilie. Sie war eine eigenständige, vielfältig aktive Frau und engagierte sich zunächst gemeinsam mit ihrem Mann in dem Zusammenschluss „Verein gegen Verarmung und Bettelei", um Hilfe für bedürftige Mitmenschen zu beschaffen und zu verteilen, als auch in anderen Vereinigungen wie dem Schwesternbund der Freimaurerloge. Sie unterstützte ebenfalls das Vorhaben, in Darmstadt ein Erholungsheim für hessische Lehrerinnen zu finanzieren.

 

Ihr aktives Interesse an der Frauenbewegung sowie dem 1906 in Offenbach gegründeten Verein „Frauenwohl" war in ihrer Generation nicht selbstverständlich. Sie stellte sich praktisch denkend den Prozess künftiger weiblicher Emanzipation vor allem als Bildungsaufgabe vor und bezog in der vor 1920 in Offenbach geführten Debatte, ob es ebenso wie für junge Männer auch für 14- bis 16jährige Arbeiterinnen eine Berufsschulpflicht geben soll, eine Position zugunsten einer allgemeinen Fortbildungsschulpflicht für Mädchen. Außerdem setzte sie sich als Unterschriftensammlerin dafür ein, endlich Frauen mit beratender Stimme in städtische Gremien aufzunehmen, um bei Schulfragen gehört zu werden und mitentscheiden zu können.

Als während des Weltkriegs viele Firmen schlossen und zahlreiche junge Frauen entlassen wurden, organisierte die damals bereits in der Frauenkriegshilfe tätige Helene Rothschild für diese unentgeltlichen Fortbildungskurse an der vorher schulgeldpflichtigen Handelsschule.  Nach dem Tod ihres Mannes hatte Helene Rothschild zudem die Leitung der Firma Goldschmidt übernommen.

Anlage:

Lageplan für zu beschließende Straße „Helene-Rothschild-Straße“