Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt

Offenbach am Main

2016 - 2021

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2016-21/DS-I(A)0881                                                         Ausgegeben am 19.11.2020

                                                                                               Eing. Dat. 19.11.2020

 

 

 

 

 

Entwicklung einer Progressive Web App und technische Umstellung des Internetportals www.offenbach.de

Antrag Magistratsvorlage Nr. 2020-484 (Dez. I, Amt 13) vom 18.11.2020

 

 

Der Magistrat beantragt, dass die Stadtverordnetenversammlung wie folgt beschließt:

 

1. Dem in der Anlage beigefügten Konzept zur inhaltlichen und technischen Weiterentwicklung des Internetportals www.offenbach.de zwecks Entwicklung einer Progressive Web App wird zugestimmt.

 

2. Die Stadtverordnetenversammlung begrüßt die im Zuge der Projektumsetzung geplante stärkere zielgruppengerechte Ausrichtung des gemeinsam von der Stadt Offenbach und der Stadtwerke-Gruppe verantworteten Internetportals www.offenbach.de. Online-Dienstleistungen sowie weitere Informationen und Services für die Bürgerinnen und Bürger und für Unternehmen sollen künftig sowohl von der Stadtverwaltung wie auch von der Stadtwerke-Gruppe stärker als bisher in den Vordergrund des Auftritts gestellt werden.

 

3. Die Stadt Offenbach beauftragt die Betreiberin des Internetportals www.offenbach.de, die Offenbacher Stadtmarketinggesellschaft mbH (OSG), unter Beteiligung aller zu berücksichtigenden Organisationseinheiten mit der Umsetzung dieses Konzeptes.

 

4. Die Stadt Offenbach stellt der OSG für die Umsetzung Mittel in Höhe von 150.000 Euro, vorbehaltlich der Haushaltsgenehmigung 2021, zur Verfügung. Diese Summe steht im Ergebnishaushalt 2021 auf dem Produktkonto 01010300.6861000113 „E-Government“ zur Verfügung.

 

 

Begründung:

 

Seit 2004 stellt die Offenbacher Stadtmarketinggesellschaft (OSG) im Auftrag der Stadt die Plattform für ein integriertes Internetportal von Stadtverwaltung und Stadtwerke Unternehmensgruppe zur Verfügung. Mit dem letzten großen Relaunch im Jahr 2015 wurde das Portal technisch, inhaltlich und optisch modernisiert, außerdem wurden zusätzliche Online-Dienstleistungen bereitgestellt. Der Auftritt ist seither responsiv, d. h. er ist gleichermaßen auf die stationäre Nutzung am Desktop wie auf die Nutzung mit einem mobilen Endgerät optimiert.

 

Der städtische Internetauftritt bietet bereits unter www.offenbach.de/vv/ alle Dienstleistungen von Stadt und Stadtwerken sowie Infos zu Ämtern der Stadtverwaltung und Gesellschaften der Stadtwerke-Gruppe, zur MainArbeit und EVO an. Unter www.offenbach.de/online-rathaus sind zudem alle Online-Dienstleistungen von Stadt und Stadtwerken aufgeführt. Darüber hinaus gibt es im städtischen Internetauftritt zielgruppenspezifische Angebote von Stadt und Stadtwerke-Gruppe für u. a. Neu-Bürger, Familien, Menschen mit Behinderung, Ältere Menschen, Unternehmen und fremdsprachige Angebote für Menschen, die in Offenbach leben, nach Offenbach ziehen oder die Stadt als Gast besuchen. Auch für Unternehmen finden sich zielgruppenspezifische Informationen im bestehenden Auftritt. Weiterhin stehen eine von der Onlineredaktion gepflegte Übersichtsliste von Baustellen in Offenbach, Fahrpläne, Veranstaltungen und die vhs-Kurse zur Verfügung. All diese Informationen und Angebote werden regelmäßig erweitert und aktualisiert.

 

Mit Beschluss 2016-21/DS-I(A)0762 hat die Stadtverordnetenversammlung am 18. Juni 2020 den Magistrat beauftragt, ein Konzept zur Entwicklung einer App vorzulegen, welche die Dienstleistungen und Angebote der Stadt, des Stadtkonzerns sowie weiterer öffentlicher Einrichtungen zusammenführt. Darüber hinaus soll die App auch weitere Informationsangebote breithalten, z. B. über Einschränkungen durch örtliche Baustellen, Angebote der Vhs, Fahrpläne, Informationen zu Veranstaltungen u.ä.m.  

 

Das Amt für Öffentlichkeitsarbeit hat gemeinsam mit der Unternehmenskommunikation der Stadtwerke-Gruppe und der gemeinsamen Onlineredaktion sowohl die Einführung einer nativen App wie einer Progressive Web App (PWA) geprüft. Alle Vor- und Nachteile finden sich im Konzept im Anhang. Die wesentlichen Unterschiede und warum eine PWA empfohlen wird, werden im Folgenden aufgeführt.

 

Alle Angebote und Informationen sind im responsiven Auftritt der Stadt und Stadtwerke Unternehmensgruppe bereits heute gut über ein mobiles Endgerät lesbar und nutzbar. Mit der Umstellung des Content Management Systems (CMS) auf die neue Technik ist jedoch eine noch nutzerfreundlichere und damit effizientere mobile Nutzung als bisher möglich. War der Internet-Relaunch 2015 noch darauf ausgelegt, auf den Desktop ausgerichtete Inhalte auch auf mobilen Endgeräten (Smartphones, Tablets) darstellen zu können, orientiert sich die Aufbereitung der Inhalte mit der heute verfügbaren Technik vorrangig an der Nutzung über mobile Endgeräte.

Die neue CMS-Technik ermöglicht es, den gesamten Auftritt, aber auch zusätzlich themenspezifische Inhalte auf Microsites (z. B. bestehende Microsites wie Bike Offenbach oder künftige Microsites für Stadtmarketing oder Online-Services) in einer Progressive Web App (PWA) anzubieten. Die PWA wurde von Google entwickelt und setzt auf eine Technik, die Eigenschaften von mobilen (responsiven) Webseiten und nativen Apps vereint. Sie passen sich an das jeweilige Endgerät und / oder den verwendeten Browser an und werden wie eine Webpräsenz durch die Eingabe einer URL oder wie eine native App über ein App-Icon auf dem Startbildschirm des Endgeräts aufgerufen.

 

Gegen eine native App sprechen nicht nur hohe Entwicklungs- und Folgekosten, sondern auch, dass native Apps in Zeiten von responsiven Webseiten nicht gut angenommen werden. Native Apps müssten komplett neu programmiert werden, alle im Portal verfügbaren Inhalte müssen zusätzlich separat für die App aufbereitet und eingespielt werden. Jede Änderung der Inhalte – z. B. eine Überschrift – muss vom Anbieter/Programmierer der App umgesetzt und die App dann neu im Store eingestellt werden. Das verursacht hohe Folgekosten. Es kann mehrere Tage dauern, bis Aktualisierungen von der Plattform akzeptiert werden – so lange bleibt der alte Status erhalten. Anders als bei einem Webauftritt ist es unmöglich, schnell auf eine aktuelle (Krisen-)Situation (Beispiel Corona) zu reagieren, da neue Inhalte immer neu vom Anbieter der App programmiert werden müssen. Diese Leistung muss extra bezahlt werden, da Neuprogrammierungen nicht in den Supportkosten enthalten sind. Zudem muss eine native App für jedes Betriebssystem neu programmiert werden.

 

Gerade kommunale native Apps werden kaum heruntergeladen, weil die für die Bürger wichtigen Inhalte auf deren Internetauftritten bereits zur Verfügung stehen und dort jeweils aktueller sind. Sie bieten damit keinen Mehrwert. Problematisch ist zudem, dass neue Inhalte in Apps nicht gut beworben werden können. Ein Internetauftritt kann dagegen suchmaschinenoptimiert gestaltet werden, sodass neue Inhalte sehr schnell gefunden und entsprechend gut platziert werden (Beispiel Corona-Seiten der Stadt Offenbach: Platz 1 im Google Ranking mit den Suchbegriffen „Corona Offenbach“).

 

Die PWA bietet sich an, wenn es bereits einen Internetauftritt gibt, der alle Informationen beinhaltet und diese lediglich über einen neuen Kanal ausgespielt werden sollen. Da eine PWA an einen bestehenden Internetauftritt anknüpft, ist jede Änderung in dem Auftritt sofort auch in der PWA verfügbar und kann von der Onlineredaktion eingespielt werden. Dadurch entfallen Neuprogrammierungskosten bei neuen Inhalten; auf neue Situationen kann schnell reagiert werden.

 

Eine PWA verfügt außerdem über die Möglichkeit Push-Nachrichten zu versenden, nach vorheriger Einverständniserklärung der Nutzer. Vor dem Hintergrund der noch offenen (datenschutz-)rechtlichen Fragen, ob öffentliche Stellen Soziale Medien wie Facebook und Twitter dauerhaft nutzen dürfen, stellt die Möglichkeit, Push-Nachrichten zu versenden, eine wichtige Option zur Aufrechterhaltung der Bevölkerungsinformation im Falle von Krisen und Katastrophen dar. Weitere Vorteile einer PWA sind dem Konzept (siehe Anlage) zu entnehmen.

 

Die Umstellung von www.offenbach.de auf eine PWA erfordert die Umstellung des Portals auf die neue CMS-Technik, die auf eine Trennung von Design und technischer Basis setzt. Damit ist eine relativ einfache Weiterentwicklung an neue technische Gegebenheiten sowie an neue gesetzliche Anforderungen, z. B. im Bereich Datenschutz (Social-Media-Schranken und Cookies) und Barrierefreiheit möglich.

 

Das Internetportal von Stadt und Stadtwerke erfüllte bei seinem Relaunch 2015 die damaligen gesetzlichen Vorgaben zur Barrierefreiheit. Mittlerweile haben sich nicht nur die Vorgaben geändert, sondern auch das Bewertungsschema. Daraus ergibt sich, dass das Internetportal aktuell als „nicht konform“ mit den derzeit gültigen Vorschriften zur Barrierefreiheit (BITV 2.0, 2019/WCAG 2.1) gilt. Eine Konformität mit den Vorschriften zur Barrierefreiheit wird mit dem Umstieg auf die neue Infosite-Technik erreicht. Hinzu kommt, dass durch die Trennung von Design und Technik eine schnelle Anpassung an künftige Vorgaben zur Barrierefreiheit möglich ist. Zu bedenken ist zudem, dass die Hessische Verordnung über barrierefreie Informationstechnik vorschreibt, dass nicht nur städtische Internetauftritte, sondern auch Apps barrierefrei sein müssen. Mit der neuen Infosite-Technik wäre auch die Barrierefreiheit bei der PWA gegeben.

 

Der Einsatz der neuen Technik wird von der Onlineredaktion deshalb nicht nur zum Zwecke der Einrichtung einer PWA empfohlen, sondern auch, weil die neue Technik eine zielgruppenspezifische Ausrichtung des Internetportals ermöglicht und die Anforderungen an Barrierefreiheit erfüllt.

Anlage:

Konzept Offenbach-App

 

 

Die Anlage wird den Stadtverordneten und Fraktionen in elektronischer Form (Cloud) sowie in PIO (Politisches Informationssystem Offenbach) zur Verfügung gestellt.