Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt

Offenbach am Main

2011 - 2016

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2011-16/DS-I(A)0829                                                         Ausgegeben am 14.01.2016

                                                                                               Eing. Dat. 14.01.2016

 

 

 

 

 

Baugebiet „Waldheim-Süd“, nördlicher Teil (B-Plan Nr. 618 B)

Benennung der neuen Erschließungsstraßen

Antrag Magistratsvorlage Nr. 2016-016 (Dez. I Amt 62) vom 13.01.2016

 

 

Der Magistrat beantragt, dass die Stadtverordnetenversammlung wie folgt beschließt:

 

1. Der Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 11.09.2003 (DS I (A) 528) wird aufgrund der Neuplanung des B-Plans 618 B hinsichtlich der Benennung nachfolgender Straßen teilweise aufgehoben:

 

1.1     Azaleenweg                                     (905)               Straße

1.2     Enzianweg                                       (909)               Straße

1.3     Gladiolenweg                                  (911)               Straße

1.4     Irisweg                                              (915)               Straße

1.5     Lilienweg                                          (917)               Straße

1.6     Steingarten                                      (924)               Platz

1.7     Kastanienstraße                             (927)               Straße

 

2.  Die Bezeichnung „Kastanienstraße“ für den bisher so benannten Straßenabschnitt nördlich der Straßen „Am Anger „ und „An den Linden“ wird aufgehoben; für die so bezeichnete Erschließungsstraße im südlichen (schon realisierten) Teil des Baugebietes bleibt sie bestehen.

 

3. Die im Bereich des Bebauungsplans 618 B „Waldheim-Süd, nördlicher Teil“ geplanten Erschließungsstraßen (Anlage 2) erhalten die Bezeichnungen:

 

3.1    Änne-Salzmann-Platz                   (905)               Platz

3.2    Dr.-Karl-Reiß-Weg                          (909)               Straße

3.3    Dr.-Rosa-Goldschmidt-Straße      (911)               Straße

3.4    Dr.-Georg-Volk-Weg                       (915)               Straße

3.5    Pater-Förg-Weg                               (917)               Straße

3.6    Ottilie-Carola-Moufang-Straße*   (924)               Straße

 

*Bei der Recherche der Namensschreibung von Frau Moufang sind unterschiedliche Schreibweisen aufgetreten. Vor der Veröffentlichung des Straßennamens und der Fertigung der Straßenschilder wird die Schreibweise vom Vermessungsamt endgültig geklärt.

 

Ottilie Carola Moufang (Beschluss der AG Straßenbenennung)

Ottilie Carola Moufang´(Stadtarchiv Offenbach)

Ottilia Carolina Margarethe Maria Moufang (Standesamt – Standesamtsregister)

Ottilie Karoline Moufang (Frauenbüro)

 

 

Begründung:

 

zu 1.

Der nördliche Teil des Baugebietes „Waldheim-Süd“ wird durch den B-Plan 618 B neu überplant. Die neue Planung sieht auch Änderungen bei den Erschließungsstraßen und deren Straßenführung gegenüber der bisherigen Planung vor.

 

Für die Durchführung des Bebauungsplanverfahrens erweist es sich als sinnvoll, bereits für den Entwurf des B-Plans und dessen Billigung die neuen Straßenbenennungen zu verwenden, um eindeutige Aussagen im weiteren Verfahrensablauf treffen zu können.

 

Daher ist der Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 11.09.2003 (DS I (A) 528) für die Straßenbezeichnungen Azaleenweg, Enzianweg, Gladiolenweg, Irisweg, Lilienweg, Steingarten und Kastanienstraße aufzuheben.

 

zu 2.

Die mit „Kastanienstraße“ bezeichnete Straße ist im südlichen und nördlichen Teil des Baugebiets „Waldheim-Süd“ vorhanden. Nach der Neuplanung des nördlichen Teils gibt es eine veränderte Erschließungssituation, die sich auf die ursprüngliche Führung der Kastanienstraße auswirkt. Eine Weiterführung dieser Straße nördlich der Straße „An den Linden“ ist nur noch als Fuß- und Radweg vorgesehen, nicht mehr als Erschließungsstraße für die Baugrundstücke.

 

Der Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 11.09.2003 (DS I (A) 528) ist daher teilweise aufzuheben bzw. zu ändern. Die Bezeichnung „Kastanienstraße“ bleibt im südlichen Teil des Baugebiets bestehen, da sie für viele Baugrundstücke als Lagebezeichnung festgesetzt ist.

 

zu 3.

Zur eindeutigen Zuordnung der zukünftigen Baugrundstücke und zur Gewährleistung der Ordnung im Stadtgebiet sind die neuen Erschließungsstraßen in diesem Baugebiet zu benennen.

 

Die Auswahl der Straßennamen für die neuen Erschließungsstraßen ist in Abstimmung mit der AG Straßenbenennung erfolgt.

 

Die Vorschläge 3.2 sowie 3.4 und  3.5 orientieren sich an der „Vorschlagsliste zur Straßenbenennung und für entsprechende Ehrungen“ in Verbindung mit den Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlung vom 23.09.2010 (DS I (A) 630) und vom 15.02.2001 (DS I (A) 945/1) und setzen diese um. Die Vorschläge 3.1 und 3.3 sowie 3.6 orientieren sich an den Beschlüssen der AG Straßenbenennung vom 10.11.2015.

 

zu 3.1 „Änne-Salzmann-Platz“

Änne Salzmann (1905 – 2005)

 

Änne Salzmann gehört zu den herausragenden Offenbacher Persönlichkeiten. Geboren am 09.10.1905 in Offenbach, gehörte sie bereits als junge Frau der Gewerkschaftsbewegung und der kommunistischen Jugendbewegung an.

 

Von 1933 bis 1945 wurde sie mehrmals von der Gestapo verhaftet und wegen ihrer Kontakte zu den Sozialdemokraten und des Mitwirkens beim Aufbau der Widerstandsgruppen 1936 zu sechseinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt.

 

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges kümmerte sich Salzmann um die Frauen und Männer, die unter der Verfolgung des Nazi-Regimes gelitten hatten. Auch als spätere Vorsitzende des 1945 von ihr mitbegründeten „Überparteilichen Offenbacher Frauenverbandes“ erwarb sie sich große Verdienste, z.B. in der Seniorenbetreuung und bei Kleidersammlungen für Bedürftige.

 

Änne Salzmann war eine der Mitbegründerinnen der späteren Gewerkschaft ÖTV sowie Mitinitiatorin bei der Gründung der DKP. Von 1945 bis 1965 war sie Verwaltungsangestellte beim Sozialamt der Stadt Offenbach und erhielt 1987 die Bürgermedaille der Stadt.

 

zu 3.2 „Dr.-Karl-Reiß-Weg“

Dr. Karl Reiß (1910 – 1985)

 

Monsignore Dr. Karl Reiß zählte zu den bekanntesten und beliebtesten Seelsorgern des Offenbacher Raumes. Selbst 1946 aus Böhmen zwangsausgesiedelt, widmete er als Diözesanflüchtlingsseelsorger seine besondere Aufmerksamkeit den Nöten der Heimatvertriebenen – weit über Offenbach hinaus. Dr. Karl Reiß hat als Priester die Gemeinde Heilig Kreuz im Stadtteil Waldheim und dem ehemaligen Lohwald-Gebiet aufgebaut und hier die Katholiken aus recht unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen zusammengeführt. Unter seiner Leitung entstanden dort eine moderne Pfarrkirche sowie das Haus am Wiesengrund, ein Sozialgebäude für Kinder, Jugendliche und Senioren. Für seinen Einsatz erhielt er das Bundesverdienstkreuz und den Ehrenbrief des Landes Hessen.

 

zu 3.3 „Dr.-Rosa-Goldschmidt-Straße“

Dr. Rosa Goldschmidt (1895 – 1949)

 

Rosa Goldschmidt wurde 1895 in Offenbach geboren und wurde Kinderärztin. Sie verfasste zahlreiche wissenschaftliche Studien in den Bereichen Hygiene, Bakteriologie und Serologie. Sie wechselte mehrmals ihren Wohnort und war zuerst in Frankfurt, dann in Dortmund und bis 1933 in Leipzig beschäftigt. Am 31. Juli 1933 wurde sie entlassen, war dann kurze Zeit in Paris wohnhaft und seit Dezember 1933 in Offenbach. 1938 verlor sie ihre Approbation. 1941 regelte sie laut dem Nachlass von Siegfried Guggenheim die Sozialarbeit der Jüdischen Gemeinde in Offenbach.

 

Am 28. September 1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert, am 12. Oktober 1944 erfolgte der Weitertransport nach Ausschwitz. Am 04. Juli 1949 wurde sie für tot erklärt.

 

zu 3.4 „Dr.-Georg-Volk-Weg“

Dr. Georg Volk (1898 – 1986)

 

Der 1986 verstorbene Offenbacher Arzt und Schriftsteller Dr. Georg Volk zählte zu jenen Offenbachern, die weit über die Landesgrenzen hinaus wirkten. Aus ganz Europa kamen die Patienten zu ihm nach Offenbach. Als Schriftsteller gerade auch in den Grenzgebieten der Medizin und Philosophie hatte er unter den Kennern seine Leser rund um die Welt.

 

Die von ihm herausgegebene Zeitschrift „Gestalt und Zeit“ wurde als eine der ersten von den Nazis verboten. In ihr entwickelte er unter anderem auch seine Anschauung des Menschen als Einheit von Leib, Seele und Geist. Deshalb sah er den Menschen immer als Ganzes und nicht die Krankheit allein. Zu seiner Therapie gehörte das Wahrnehmen der jedermann offenen, religiösen Erfahrung durch Meditation. Er hielt sie auch für geeignet, den Stress des modernen Menschen verkraftbar und anregend zu machen. In diesem Sinne sah er auch das Fasten als Wohltat für Leib und Seele.

 

Aus seinen Schriften spricht die Erkenntnis, dass der Mensch, weil er vom Geist her körperlich erkranken könne, auch vom Geist her körperlich gesunden werde.

 

In Steinheim 1898 geboren, ist er, bereits in unserer Stadt zur Schule gegangen, nach 56 Jahren ärztlicher Praxis in unseren Mauern zu einem gewöhnlichen Offenbacher geworden. 1980 ehrte ihn die Stadt mit der silbernen Bürgermedaille und ein Jahr später verlieh ihm der Bundespräsident das Große Verdienstkreuz am Bande.

 

Von der Schule weg war er im ersten und als Arzt im zweiten Weltkrieg Soldat. Das demokratische Offenbach half er nach dem Kriege durch Rat und Tat aufzubauen. Er ist in der Stadt als Internist, Homöopath und als Psychotherapeut sowie als Schriftsteller unvergessen.

 

zu 3.5 „Pater-Förg-Weg“

Pater Manfred Förg (1934 – 2006)

 

Pater Manfred Förg hat sich durch seinen selbstlosen Einsatz als Seelsorger und Entwicklungshelfer in Namibia große Verdienste erworben. Manfred Förg absolvierte vor ca. 60 Jahren sein Abitur an der Rudolf-Koch-Schule in Offenbach und entschied sich im Anschluss daran für ein Theologiestudium. Er trat zeitgleich in den katholischen Missionsorden der Obladen ein. Nach seiner Priesterweihe zog er in den afrikanischen Busch nach Namibia, wo er weit über seine seelsorgerische Tätigkeit hinaus wirkte.

 

Er gründete eine Missionsstation, zu der u.a. ein 160 Betten zählendes Krankenhaus gehörte. Hier wurden Einheimische in die Gesundheitspflege eingewiesen und selbst als „Medizinmänner“ integriert. Daneben bewirtschaftete Pater Förg das Gartenbauprojekt Nyangana, ein drei Quadratkilometer umfassendes Land, auf dem Arbeits- und Bewässerungstechniken mit der einheimischen Bevölkerung erprobt werden konnten. Pater Förg betreute eine Pfarrei mit 36 Gemeinden. Viele der Kirchen hat er selbst gebaut. Er bezog kein Gehalt und war daher auf Hilfe und Unterstützung angewiesen. In Offenbach fand er durch sein Engagement viele langjährige Unterstützer in kirchlichen und politischen Kreisen ebenso bei seinen Schulkameraden, die durch finanzielle Beiträge das Wirken Pater Förgs ermöglichten.

 

zu 3.6 „Ottilie-Carola-Moufang-Straße“

Ottilie Carola Moufang (1879 – 1942)

 

Ottilie Carola Moufang war von 1925 bis 1933 Leiterin der Mädchenschule (jetzt Schillerschule). Dort hat sie wichtige reformatorische Ansätze eingebracht, wie z.B. die Offenbacher Schrift und die Einführung einer 9. Gemeinschaftsklasse. 1933 erhielt sie Berufsverbot und wurde 1938 in den Ruhestand versetzt. Sie war die erste weibliche Schulleiterin in Offenbach.

Anlagen:
1. Übersicht (aufzuhebende Straßenbezeichnungen)

2. Übersicht (zu beschließende Straßenbezeichnungen)

 

Verteiler:

13 x HFB

  2 x Minderheitenvertreter (HFB)

13 x UPB

  2 x Minderheitenvertreter (UPB)

  8 x Fraktionen

  4 x Stv.-Büro