Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt

Offenbach am Main

2006 - 2011

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Drucksachen-Abteilung I (A)                                               Ausgegeben am 09.09.2010

                                                                                               Eing. Dat. 09.09.2010

 

Nr. 630

 

 

Vorschlagsliste zur Straßenbenennung
Antrag Stadtverordnetenvorsteher Erik Lehmann vom 09.09.2010, DS I (A) 630


Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen

Die „Vorschlagsliste zur Straßenbenennung“ wird umbenannt in „Vorschlagsliste zur Straßenbenennung und für entsprechende Ehrungen“.

Die Vorschlagsliste wird um folgende Namen ergänzt:


Walter Spiller
Oskar Gutsche
Dr. Karl Reiß
Jean Weipert
Manfred Förg


Begründung:

Die AG Straßenbenennung hat in mehreren Sitzungen über eine Ehrung der Vorgenannten bzw. deren Aufnahme auf die Vorschlagsliste zur Straßenbenennung  aufgrund von Vorschlägen Offenbacher Bürger/innen und Institutionen beraten und empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung, diese zunächst auf die Vorschlagsliste aufzunehmen.

Bei diesen Beratungen wurden intensiv alternative Ehrungsmöglichkeiten diskutiert und abgewogen. Mit Stadtverordnetenbeschluss vom 26.08.2010 (DS I (A) 620) wurde der Magistrat mit der Umsetzung dieser Überlegungen beauftragt, d.h. in Zusammenarbeit mit den Mitgliedern der AG Straßenbenennung ein Konzept für alternative Ehrungen zu entwickeln.

Die AG Straßenbenennung ist der Ansicht, dass im Anschluss für alle auf der Liste aufgeführten Personen eine alternative Ehrung geprüft werden sollte.

 

Die im Antragstenor genannten Persönlichkeiten haben sich allesamt durch ihr Wirken für die Stadt Offenbach und ihre Bürger und Bürgerinnen bzw. herausragendes ehrenamtliches Engagement verdient gemacht:

Walter Spiller (1919 - 1996)
Walter Spiller hat einen großen Teil seines Lebens dem Einsatz für Hilfsbedürftige in Offenbach gewidmet. Beruflich war er seit 1962 in der Geschäftsführung des Caritasverbandes tätig, von 1966 bis 1984 als Direktor. Mit seinem großen sozialen Engagement hat er in dieser Funktion viel bewirkt. So fielen in seine Amtszeit u.a.
die Einrichtung der ersten Erziehungsberatungsstelle (1969), der ersten Eheberatungsstelle (1969) und der ersten Psychosozialen Beratungsstelle für Suchtkranke (1971) in Offenbach. Auch in seiner Freizeit engagierte sich Walter Spiller für Schwächere und übernahm zahlreiche ehrenamtliche Tätigkeiten. Sozialpolitische Aktivitäten bildeten auch den Schwerpunkt seines 21-jährigen Wirkens in der Offenbacher Stadtverordnetenversammlung, der er von 1972 – 1993 angehörte. Neben vielen vorausgegangenen Ehrungen ernannte ihn die Stadt Offenbach 1993 zum Stadtältesten.

Oskar Gutsche (1878 – 1938)

Der städtische Gartenbaudirektor Oskar Gutsche hat Herausragendes für die Grünanlagen der Stadt Offenbach geleistet. Ein Teil seines Lebenswerkes ist die Anlage des heutigen Leonhard-Eißnert-Parks als Wald- und Freizeitpark, die ab 1911 erfolgte. Durch den Ausbau weiterer Grünzüge wie am August-Bebel-Ring, am Landgrafen- und Friedrichsring sowie am Buchrainweiher schuf er einen geschlossenen Grüngürtel in Offenbach. Er hinterließ nach 28 Dienstjahren ca. 96 ha Grünanlagen für die Offenbacher und Offenbacherinnen. Ihm ist es zu verdanken, dass sich die Industriestadt Offenbach auch zu einer „grünen Stadt“ entwickelte.

 

Dr. Karl Reiß (1910 – 1985)

Monsignore Dr. Karl Reiß zählte zu den bekanntesten und beliebtesten Seelsorgern des Offenbacher Raumes. Selbst 1946 aus Böhmen zwangsausgesiedelt, widmete er als Diözesanflüchtlingsseelsorger seine besondere Aufmerksamkeit den Nöten der Heimatvertriebenen - weit über Offenbach hinaus. Dr. Karl Reiß hat als Priester die Gemeinde Heilig Kreuz im Stadtteil Waldheim und dem ehemaligen Lohwald-Gebiet aufgebaut und hier die Katholiken aus recht unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen zusammengeführt. Unter seiner Leitung entstanden dort eine moderne Pfarrkirche sowie das Haus am Wiesengrund, ein Sozialgebäude für Kinder, Jugendliche und Senioren. Für seinen Einsatz erhielt er das Bundesverdienstkreuz und den Ehrenbrief des Landes Hessen.

 


Jean Weipert (1886 - 1964)
Jean Weipert hat durch sein berufliches und ehrenamtliches Wirken maßgeblich zum Wiederaufbau im Offenbach der Nachkriegszeit beigetragen. 1919 gründete er sein eigenes Unternehmen, indem er feine Lederwaren herstellte, aus dem die „Traveller Jean Weipert GmbH“ hervorging. Neben seiner erfolgreichen Unternehmertätigkeit war er Mitbegründer der Offenbacher Messegesellschaft, Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer, im Vorstand der Vereinigung der Lederwarenindustrie Hessen und Mitglied des Senats des Deutschen Ledermuseums.

Ihm wird der Wiederaufbau der Kirche St. Paul, der Bau des Ketteler-Krankenhauses und der Bau der Offenbacher Messehallen als Verdienst angerechnet. Engagiert kümmerte er sich persönlich um die Baufortschritte, was ihm den Namen „Marschall Vorwärts“ eintrug, unter dem ihn vor allem ältere Offenbacher noch kennen. Für sein ehrenamtliches Engagement erhielt er das Bundesverdienstkreuz und die Ehrenplakette der Stadt Offenbach.

 

 

 

Pater Manfred Förg (1934 - 2006)

Pater Manfred Förg hat sich durch seinen selbstlosen Einsatz als Seelsorger und Entwicklungshelfer in Namibia große Verdienste erworben. Manfred Förg absolvierte vor ca. 60 Jahren sein Abitur an der Rudolf-Koch-Schule in Offenbach und entschied sich im Anschluss daran für ein Theologiestudium. Er trat zeitgleich in den katholischen Missionsorden der Obladen ein. Nach seiner Priesterweihe zog es ihn in den afrikanischen Busch nach Namibia, wo er weit über seine seelsorgerische Tätigkeit hinaus wirkte.

Er gründete eine Missionsstation, zu der u.a. ein 160 Betten zählendes Krankenhaus gehörte. Hier wurden Einheimische in die Gesundheitspflege eingewiesen und selbst „Medizinmänner“ integriert. Daneben bewirtschaftete Pater Förg das Gartenbauprojekt Nyangana, ein drei Quadratkilometer umfassendes Land, auf dem Arbeits- und Bewässerungstechniken mit der einheimischen Bevölkerung erprobt werden konnten. Pater Förg betreute eine Pfarrei mit 36 Gemeinden. Viele der Kirchen hat er selbst gebaut. Er bezog kein Gehalt und war daher auf Hilfe und Unterstützung angewiesen. In Offenbach fand er durch sein Engagement viele langjährige Unterstützer in kirchlichen und  politischen Kreisen ebenso bei seinen Schulkameraden, die durch finanzielle Beiträge das Wirken Pater Förgs ermöglichten.