Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt

Offenbach am Main

2026 - 2031


2026-31/DS-I(A)0065Ausgegeben am 04.08.2026

Eing. Dat. 31.07.2026

 

 

 

 

 

Entwässerungsgräben im Wald vollständig rückbauen

Antrag Stadtverordnete Dr. Annette Schaper-Herget vom 31.07.2026

 

 

Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:

 

Im Wald auf Offenbacher Stadtgebiet sollen alle Entwässerungsgräben vollständig rückgebaut werden.

 

 

Begründung:

 

2021 wurde beschlossen, dass Offenbach sich zum Schwammstadtkonzept bekennt (DS-I(A)0163/2). Dieses sollte für das gesamte Stadtgebiet gelten, also auch für den Wald.

Seit Ende des 18. Jahrhunderts wurden in den Wälder Drainagen und Entwässerungsgräben gebaut, um das Wasser möglichst schnell aus dem Wald zu holen. Natürliche Wälder wurden zu wirtschaftlichen Forsten umgebaut. Dafür wurden sie trockengelegt und der Grundwasserspiegel gesenkt. Die Klimakrise und der ausbleibende Regen verschärft dieses Problem. Die trockenen Jahre haben bewirkt, dass manche Baumwurzeln nicht mehr genügend Wasser finden und absterben. Es gibt immer noch Entwässerungsgräben, und das Niederschlagswasser wird immer noch zu schnell abgeführt anstatt versickern zu können.

Um das Regenwasser im Wald halten zu können, müssen alle Entwässerungsgräben verschlossen werden. Es gibt Bäume, die diese Nässe nicht gut vertragen. Andererseits müssen abgestorbene Bäume ohnehin ersetzt werden.

Das Waldentwicklungskonzept (2021-26/DS-I(A)0954) sieht auch vor, die Fähigkeit des Waldes zu unterstützen, Wasser zu speichern. Es empfiehlt „den Rückbau bzw. Verschluss von Entwässerungsgräben an Orten, an denen von keiner langfristigen Staunässe und damit einhergehenden negativen Auswirkungen auf den stockenden Bestand auszugehen ist.“ Aber gerade diese Staunässe trägt dazu bei, das Wasser im Wald zu halten. Staunässen bewirken das Absterben von Bäumen, die diese nicht vertragen. Ein Beispiel kann man zur Zeit am Biberdamm in der Nähe der Obermühle beobachten, wo einige Bäume, die jetzt im Wasser stehen, im letzten Jahr abgestorben sind. Hierzu kommentiert das Waldentwicklungskonzept: „Beispielsweise hat der Biber im Naturschutzgebiet Erlensteg im Ortsteil Bieber für massive Überschwemmungen gesorgt. Auch wenn im Einzelfall hierdurch Konflikte mit den flächenscharfen Zielen des Waldentwicklungskonzeptes entstehen könnten, wird der Einfluss des Bibers auf die angestrebte Förderung der Waldbiodiversität als positiv angesehen.“ Dieser Kommentar passt auch auf Bäume, die Staunässe nicht vertragen. Sie sind für einen klimawandelresilienten Waldumbau ungeeignet. Das Waldentwicklungskonzept listet Steckbriefe der ausgewählten Baumarten für das Waldentwicklungskonzept auf, darunter viele Baumarten, die für Bruchwälder geeignet sind.

Das Waldentwicklungskonzept identifiziert auch 240 Hektar Wald, auf denen die Stadt auf eine forstwirtschaftliche Nutzung verzichten könnte.

Man unterstützt damit auch die Neubildung von Grundwasser und entlastet die städtische Kanalisation im Fall von Starkregenereignissen.

 

Hinweis: Der Antrag wird den Stadtverordneten und Fraktionen elektronisch (PIO) zur Verfügung gestellt.