Quelle: pio.offenbach.de
Abgerufen am 26.09.2021



Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt

Offenbach am Main

2001 - 2006

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Drucksachen-Abteilung II (A)                                               Ausgegeben am 07.01.2005

                                                                                                Eing. Dat. 23.12.2004

 

Nr. 679/115

 

Dez.: II

 

 

Parken an der S-Bahn-Station Kaiserlei
hier: Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 17.6.2004, DS l (A) 679/2
dazu: Magistratsvorlage Nr. 466/04 vom 22.12.2004


Die Stadtverordnetenversammlung hat am 17.6.2004 folgenden Beschluss gefasst:

Der Magistrat wird beauftragt zu prüfen und zu berichten, welche Maßnahmen regionaler Verkehrspolitik geeignet sind, die im Ursprungsantrag geschilderte Situation nachhaltig und ohne zusätzliche Belastung Offenbachs durch weiteren motorisierten Individualverkehr zu verbessern.


Hierzu wird wie folgt berichtet:

Die im Ursprungsantrag geschilderte Situation betrifft die P&R-Situation am
S-Bahnhof Kaiserlei.

Nach Inbetriebnahme der S-Bahn und der Herstellung neuer Straßenflächen im Zuge der Realisierung des Bebauungsplans 609 zeichnet sich ab, dass das Gebiet rings um den S-Bahnhof Kaiserlei für P&R auf legalen und illegalen Flächen genutzt wird. Im Zuge der Fortschreibung des Parkraumkonzeptes wurde deshalb im Auftrag des Bau- und Planungsamtes der Parkraum und die Parkdauer im Quartier rings um die Willemer Straße erhoben. Diese Parkraumerhebung dient der Absicherung des in diesem Bereich eingeführten Anwohnerparkens mit dem der Wohnbereich vor dem P&R-Verkehr geschützt werden soll.

Zusätzlich wurde im Herbst diesen Jahres durch das Straßenverkehrsamt eine stichprobenhafte Kennzeichenerfassung der abgestellten Fahrzeuge in der Amsterdamer Straße, Budapester Straße, Warschauer Straße und der Kaiserleipromenade durchgeführt. Dabei wurden 209 Fahrzeuge erfasst.

Insbesondere die im Bereich des S-Bahnhofes Kaiserlei West abgestellten Fahrzeuge in der Warschauer Straße und an der Kaiserlei-Promenade lassen Rückschlüsse auf die P&R-Nutzung zu, da die Fahrzeuge eindeutig dem P&R zugeordnet werden konnten. Das Verhältnis der Kraftfahrzeuge aus der Stadt Offenbach zu den abgestellten Fahrzeugen, die nicht aus Offenbach kommen beträgt hier ca. 40% zu 60%. Das heißt, der größte Anteil der P&R-Nutzer ist in Bezug auf die Stadt Offenbach Durchgangsverkehr. Auffällig ist bei den Fahrzeugen, die nicht aus der Stadt Offenbach kommen der hohe Anteil von Fahrzeugen aus Frankfurt. Weitere Fahrzeuge aus Bad Homburg und Friedberg lassen deshalb den Schluss zu, dass das Gebiet auch von Autofahrern aus dem Norden oder Nordosten über die A661 oder Hanauer Landstraße/Nordumfahrung als P&R-Anlage genutzt wird, obwohl im Frankfurter Osten mit der P&R-Anlage an der A66 im Riederwald eine Möglichkeit zum P&R gegeben ist. Möglicherweise ist hier neben der Tarifstruktur die Attraktivität der ÖPNV-Verbindungen im Kaiserlei zum Flughafen oder der Bürostadt Niederrad und die Kostenfreiheit des Parkens im Kaiserlei ein maßgebender Faktor.

Trotz der Attraktivität dieses S-Bahnhofes ist das Kaiserlei-Gebiet ein ungeeigneter Standort für P&R.

Das Verkehrssystem Kaiserlei wird im Zielzustand des Ausbaus nur dann leistungsfähig sein, wenn ein großer Teil der Verkehrsarbeit über den ÖPNV abgewickelt wird. Dem trägt die Stadt Rechnung in dem neben den derzeit drei S-Bahnlinien zukünftig 5 Buslinien zum Westausgang des Bahnhofes geführt werden und damit eine hervorragende Umsteigesituation gegeben ist. Durch eine P&R-Anlage würde weiterer Verkehr in das Kaiserlei hineingezogen der durch die Verkehrsgutachten zur Kaiserleierschließung nicht gedeckt ist und zu einer Einschränkung der Kaiserlei-Entwicklung führt.

Die Offenbacher Verkehrsbetriebe betreiben ein Busnetz, das in hohem Maße auf die S-Bahn ausgerichtet ist. Die OVB weist in ihrer Stellungnahme ebenfalls darauf hin, dass das gemeinsame Ziel, den Bahnhof Kaiserlei zu einem Umsteigepunkt auszubauen durch eine P&R-Anlage konterkariert würde und ferner durch eine P&R-Anlage erhebliche Einnahmeverluste für den ÖPNV in Offenbach und auch den RMV zu erwarten sind.

Der P&R-Verkehr zum Kaiserlei aus Richtung Osten (Hanau/Kreis Offenbach) ist Durchgangsverkehr in der Stadt Offenbach. Das verkehrsplanerische Ziel des P&R, den ÖPNV zu stärken und die Stadt vom motorisierten Individualverkehr zu entlasten kann durch einen Standort Kaiserlei nicht erreicht werden.

Die offensichtliche Redundanz mit anderen P&R-Anlagen in der Region zeigt, dass das P&R Angebot regional betrachtet werden muss. Im Generalverkehrsplan des Planungsverbandes Frankfurt Rhein Main sind als Standorte in Offenbach die Bahnhöfe Bieber, Offenbach Ost und Offenbach Hauptbahnhof aufgeführt. Regional betrachtet liegen die wichtigen Standorte jeweils außerhalb der Ballungsraums an den Enden der ÖPNV-Achsen (P&R dort, wo der Bedarf entsteht) und an wichtigen Netzknoten des ÖPNV. Die Vorbereitungsgesellschaft für das Integrierte Verkehrsmanagement Rhein-Main hat sowohl das Thema „P&R-Kapazitäten" als auch das Thema „Wildes Parken an Tarifgrenzen" bereits als regionale Verkehrsmanagementaufgabe definiert. In diesem Gremium wird die Stadt Offenbach das Thema weiter verfolgen.

Die Attraktivität des S-Bahnhofes Kaiserlei durch den Tarifsprung in der Wabenstruktur relativiert sich, wenn auch die Kostenstruktur des P&R transparent wird. Ausgehend von einer notwendigen Investition von ca. 600.000,00 € für eine Anlage mit 200 Plätzen, müssten allein für die Erwirtschaftung des Kapitaldienstes bei einer Auslastung von 300 Tagen im Jahr Gebühren erhoben werden, die bereits über der Tarifdifferenz Marktplatz Offenbach - Frankfurt Hauptwache zu Kaiserlei -Frankfurt Hauptwache von 1,25 € pro Einzelfahrt liegen. Grundstücksverfügbarkeit, Grundstückskosten und Unterhaltung der Anlage sind dabei nicht berücksichtigt. Auch die an anderen P&R Anlagen erhobenen Tarife liegen über dieser Differenz (Hanau 1,50 €).

Die Stadt Offenbach wird dennoch weiterhin darauf hin wirken, die Tarifsituation für Offenbacher mit dem Ziel Frankfurt zu verbessern.

Abgesehen von den Wohngebieten, die durch die Einrichtung von Bewohnerparken vor fremden Dauerparkern geschützt werden müssen, ergibt sich für das Kaiserlei derzeit kein unmittelbarer Handlungsbedarf, da die im Bereich des S-Bahn-ausgangs Kaiserlei West abgestellten Fahrzeuge in keiner Konkurrenz zu einer anderen Parkraumnachfrage stehen. Im Zuge des weiteren Ausbaus im Kaiserlei ist zu erwarten, dass ein höherer Bedarf an Besucherstellplätzen im öffentlichen Raum entsteht. In diesem Fall ist eine Sicherstellung des Besucherbedarfs durch eine Parkraumbewirtschaftung in den betroffenen Straßen erforderlich.

 

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