Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt
Offenbach am Main
2026 - 2031
2026-31/DS-I(A)0083Ausgegeben am 13.08.2026
Eing. Dat. 13.08.2026
Nette Toilette - Zahl der öffentlichen Toiletten erhöhen
Antrag Die Linke & Tierschutzpartei vom 13.08.2026
Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:
Der Magistrat wird beauftragt, das Konzept „Nette Toilette" in Offenbach einzuführen und dafür Gastronomiebetriebe, Einzelhandel, Kioske und Wasserhäuschen durch kleine finanzielle Anreize als Partnerbetriebe zu gewinnen und das Angebot in der Öffentlichkeit sichtbar zu bewerben.
Begründung:
Das Angebot an öffentlich zugänglichen Toiletten in Offenbach ist nach wie vor dünn. Für Menschen mit Behinderung, ältere Menschen, Wohnungslose, Familien mit kleinen Kindern und alle, die kurzfristig eine Toilette brauchen, ist das keine Komfortfrage, sondern eine Frage der Teilhabe am öffentlichen Leben.
Gerade für eine Kommune wie Offenbach mit angespannter Haushaltslage ist die Investition in neue Toilettenanlagen „schwierig“. Das Konzept „Nette Toilette" setzt genau hier an: Gastronomiebetriebe, Kioske und Einzelhändler öffnen ihre Kundentoiletten unentgeltlich für alle und erhalten dafür einen kleinen finanziellen Beitrag der Stadt. Das ist ein pragmatischer Weg die Anzahl öffentlich verfügbarer Toiletten kurzfristig zu erhöhen. Die „Nette Toilette" ersetzt den Ausbau eigener Anlagen zwar nicht, es schafft aber kurzfristig Abhilfe.
Neu ist das Anliegen in der Stadtverordnetenversammlung nicht, und umstritten ist es auch nicht. Die Fraktion Die Linke hat im September 2020 beantragt, die Zahl der öffentlichen Toiletten zu erhöhen und dabei ausdrücklich auf die Kampagne „Nette Toilette" verwiesen; die SPD hat das per Änderungsantrag aufgegriffen. Im Mai 2022 hat die CDU einen Antrag mit derselben Stoßrichtung gestellt, der – wiederum in geänderter Fassung – ebenfalls beschlossen wurde. Beide Beschlüsse beauftragten den Magistrat zu prüfen und zu berichten.
In der Zwischenzeit hat die Stadt Frankfurt das Konzept eingeführt und ein Jahr lang im Realbetrieb erprobt – mit Erfolg. Wie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 09.07.2026 zu entnehmen ist, beteiligen sich rund ein Jahr nach dem Start im Mai 2025 bereits 35 Betriebe, von Bäckereifilialen über Kioske und Wasserhäuschen bis zum Supermarkt. Die Betriebe erhalten einen finanziellen Beitrag zwischen 120 und 200 Euro, gestaffelt nach Größe und Ausstattung, und stellen im Gegenzug ihre Toiletten unentgeltlich zur Verfügung. Die Rückmeldungen der Betriebe sind überwiegend positiv.
Aufgrund des überaus dünnen Angebotes an öffentlichen Toiletten, den positiven Erfahrungen der Stadt Frankfurt, sollte Offenbach aus Sicht der antragsstellenden Fraktion das Konzept auch endlich angehen. Da das Anliegen auch von CDU und SPD in der Vergangenheit selbst mitgetragen wurde, sollte einer zügigen Umsetzung nichts entgegenstehen.
Hinweis: Der Antrag wird den Stadtverordneten und Fraktionen elektronisch (PIO) zur Verfügung gestellt.
