Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt

Offenbach am Main

2026 - 2031


2026-31/DS-I(A)0069Ausgegeben am 12.08.2026

Eing. Dat. 12.08.2026

 

 

 

 

 

Offen queer in Offenbach – Queere Jugendarbeit verstetigen

Antrag B´90/Die Grünen vom 05.08.2026

 

 

Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:

 

  1. Der Magistrat wird beauftragt die queere Jugendarbeit, welche die

vergangenen drei Jahre als Projekt „Queer in Stadt und Kreis Offenbach“

umgesetzt wurde, für das Gebiet der Stadt Offenbach fortzuführen und die Stellen mit dem Arbeitszeitumfang aus dem Jahr 2024 zu verstetigen.

 

  1. Zusätzlich zu der bisherigen Beratungsarbeit für queere Menschen und ihre Angehörige sowie Fortbildungsangebote für Fachkräfte, soll zusammen mit dafür kompetenten Beratungsstellen und Interessenvertretungen sowie

Schulen ein Konzept für die Aufklärungs- und Bildungsarbeit an Schulen und in der Jugendarbeit mit Jugendlichen erarbeitet werden, das dann von der queeren Jugendarbeit mit umgesetzt wird.

 

  1. Beratungs- und Unterstützungsangebote für Schwule, Lesben, Transgender und alle anderen Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen oder

geschlechtlichen Identität diskriminiert werden, sollen verstärkt bekannt

gemacht werden.

 

 

Begründung:

 

Die Angriffsserie auf schwule Männer in Offenbach hat gezeigt, dass auch unsere Stadt leider nicht von dem deutschlandweiten Trend einer merklichen Zunahme an Gewalt gegen Schwule, Lesben, Transgender und anderen queeren Menschen abgekoppelt ist. Einen traurigen Höhepunkt dieser bundesweiten Entwicklung stellt der Anschlag auf den CSD in Berlin dar. So unterschiedlich die sozialen Strukturen und Hintergründe dabei jeweils sind, eint die Tätergruppen, dass sie alle ein toxisches Männlichkeitsbild antreibt, das in unterschiedlichen ideologischen Gewändern daherkommt.

 

Die Stadt kann dort ansetzen, wo sie vorsorgend wirken kann: Über Schulsozial- und Jugendarbeit.

 

Als erstes städtische Angebot für queere Menschen konnte 2023 das Projekt „Queer in Stadt und Kreis Offenbach“ mit finanzieller Unterstützung der Aktion Mensch die Arbeit erfolgreich aufnehmen. Nach dem Auslaufen der Förderzeit konnte die Finanzierung des Projektes – allerdings nur in reduzierter Form - für ein weiteres Jahr gesichert werden. Diese Finanzierung läuft 2027 aus. Dabei sind wir als Kommune verpflichtet ein Beratungsangebot im Rahmen des gesetzlichen Auftrages nach Paragraph 9 Punkt 3 SGB VIII sicherzustellen - eine Grundregel für die Ausgestaltung aller Aufgaben und Leistungen in der Kinder- und Jugendhilfe. Sie verpflichtet die Träger, die unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen, Jungen sowie transidenten, nichtbinären und intergeschlechtlichen jungen Menschen zu berücksichtigen, Benachteiligungen abzubauen und die Gleichberechtigung zu fördern.

 

Doch sollte queere Jugendarbeit nicht nur ein Angebot für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen der LGBTIQ*-Community und ihrer Angehörigen sein. Sie sollte auch in die Schulen oder Jugendtreffs gehen, um alle Jugendlichen aufzuklären: Über queere Menschen und die Grundregeln unserer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft, in der sich alle frei entfalten können.

 

Offenbach ist eine hyperdiverse Großstadt, die trotz ihrer wirtschaftlichen und strukturellen Herausforderungen als Beispiel einer gelingenden Integration und eines guten Auskommens von Menschen mit ganz unterschiedlichen Herkünften hervorgehoben wird. Diese Erfolgsgeschichte kommt jedoch nicht von selbst zu Stande. Sie ist das Ergebnis eines aktiven Hinsehens und von sozialer Arbeit mit den Menschen, weshalb die Sicherstellung der queeren Jugendarbeit, auch durch eine sozialraumorientierte Beratung (z.B. Familienzentrum), eine unverzichtbare Investition in die Zukunft unserer Stadt darstellt.

 

Hinweis: Der Antrag wird den Stadtverordneten und Fraktionen elektronisch (PIO) zur Verfügung gestellt.