Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt

Offenbach am Main

2026 - 2031


2026-31/DS-I(A)0071Ausgegeben am 12.08.2026

Eing. Dat. 12.08.2026

 

 

 

 

 

Kreislaufwirtschaft in Offenbach stärken

Antrag Die Linke & Tierschutzpartei vom 12.08.2026

 

 

Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:

 

Der Magistrat wird damit beauftragt, die Kreislaufwirtschaft in Offenbach zu stärken, indem

 

1 – eine bessere Sichtbarkeit von Anlaufstellen für die Wiederverwendung von Gebrauchsgegenständen hergestellt wird. Gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Initiativen, ESO Stadtservice, Einzelhandel und anderen Vertretern der Privatwirtschaft soll die Stadt Offenbach eine Informationskampagne aufbauen. Ein Teil der Kampagne soll das informieren über Möglichkeiten und Anlaufstellen für Pflege, Reparatur, Spende oder Upcycling sowohl beim Kauf, als auch vor dem Entsorgen von Gebrauchtgegenständen (Kleidung, Bücher, Elektrogeräte, etc.) sein.

 

2 - an vandalismussicheren Aufstellorten (bevorzugt in öffentlichen Einrichtungen wie Stadtteilbüros, Jugendzentren, zukünftige Station Mitte, etc.) öffentliche Kleiderschränke und/oder Tauschboxen für Kleider eingerichtet werden.

 

 

Begründung:

 

Kreislaufwirtschaft beschreibt im Gegensatz zur linearen Wirtschaft ein Modell, dass sowohl bei der Produktion, als auch dem Verbrauch von Gütern auf einen möglichst langanhaltenden und nachhaltigen Lebenszyklus der Produkte setzt. Dies spart Materialen, Rohstoffe, Energie und andere Ressourcen und ist somit ein wichtiger und notwendiger Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz.

Besonders bei der Vermeidung von Abfällen können sowohl Kommunen, als auch Bürger*innen und lokale Wirtschaft einen großen Beitrag leisten. Viele Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens wie Kleider, Bücher, Elektrogeräte, Werkzeuge, Fahrräder etc. landen schnell im Müll, weil sie kleinere Defekte haben oder nicht mehr gefallen. Oftmals erscheint das Wegschmeißen dabei als einfachste Option und es fehlt die Information oder aber auch schlicht das Bewusstsein über Alternativen wie die richtige Pflege, um Produkte länger zu erhalten, Orte wie Repair Cafés, um kleinere Defekte zu beheben (und dabei noch etwas zu lernen), Anlaufstellen für Kleider- oder Bücherspenden.

Viele dieser Alternativen gibt es in Offenbach längst – sie sind nur zu wenig bekannt und untereinander kaum vernetzt. Repair Cafés finden in Stadtteilbüros, im SCAPE° und im Radraum statt, es gibt öffentliche Bücherschränke, eine wachsende Zahl an Second-Hand-Läden und Elektroschrott-Container in den Stadtteilbüros. Wer aber vor einem defekten Toaster oder einem Sack aussortierter Kleidung steht, findet diese Angebote in der Regel nicht. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob ein Gegenstand ein zweites Leben bekommt oder nicht. Es geht deshalb weniger darum, Neues zu erfinden, als darum, Bestehendes sichtbar und auffindbar zumachen.

Wie das gelingen kann, zeigt das Wiesbadener Projekt „DREH DEIN DING", das im Rahmen der World Design Capital 2026 umgesetzt wird. Auch dort gab es bereits viele Angebote von Handel über Reparatur und Gebrauchtkauf bis Recycling – nur wussten zu wenige davon. Mit intelligentem Design werden sie nun leichter auffindbar: Wer etwas kauft, bekommt lokale Adressen für Pflege, Reparatur und Weiterverkauf gleich mitgeliefert, am Wertstoffhof weisen Hinweise auf Secondhand-Läden und Repair-Cafés hin, und gut Erhaltenes kommt in die Tauschbox oder den öffentlichen Kleiderschrank statt in die Tonne. So entsteht aus bereits bestehenden Alternativen ein Ökosystem, das Geld, Müll und CO spart und zugleich Läden und Handwerk in der Stadt stärkt

Wie in Wiesbaden sind die Alternativen auch in Offenbach längst da. Sie sichtbar zu machen und zu vernetzen, kostet die Stadt wenig – bewirkt aber viel.

 

Hinweis: Der Antrag wird den Stadtverordneten und Fraktionen elektronisch (PIO) zur Verfügung gestellt.